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Verpackungsdesign: mit nachhaltigen Ideen die Welt retten

Ein großer Teil unseres Plastikmülls in den Meeren und auf den Deponien sind Verpackungen. Um das zu ändern, entwerfen Designer, Startups und Konzerne immer mehr nachhaltige Alternativen.

Die Zahlen sind deutlich: Über 170 Kilogramm Verpackungsmüll fielen 2018 in der EU pro Einwohner an. In Deutschland waren es sogar mehr als 220 kg. Weltweit werden in jeder Minute eine Million Plastikflaschen mit Trinkwasser gekauft. Nach Schätzungen der UN-Umweltbehörde haben wir seit den 1950er Jahren über 8 Milliarden Tonnen Plastik produziert, von denen mindestens zwei Drittel auf Müllkippen oder im Meer landeten. Welche dramatischen Folgen das für die Zerstörung der Umwelt auf der Erde hat, erklärt eindrucksvoll dieser preisgekrönte Kurzfilm von National Geographic mit Spoken-Word-Künstler Prince Ea.

Video: National Geographic

Das kann weg: Einwegartikel aus Plastik

Doch je deutlicher diese negativen Effekte werden, desto stärker wächst die Nachfrage nach Innovationen, die Plastik vermeiden. Schließlich werden auch die gesetzlichen Vorgaben immer strenger. So werden ab Juli 2021 in der EU viele Einwegartikel, für die es Alternativen gibt, verboten: Geschirr, Besteck und Trinkhalme aus Plastik sind dann nicht mehr erlaubt. Auch die Nutzung von Styropor-Essensverpackungen soll verringert werden. Diese typischen Alltagsprodukte, die in der neuen Verordnung reguliert werden sollen, machen momentan 70 % der Plastikabfallartikel in den Meeren aus.

Entdeckt hier spannende Beispiele und Ideen für neuartige Verpackungen und Produkte, bei denen Designer und Forscherinnen den Fokus auf Umweltschutz und Nachhaltigkeit gelegt haben.

Fotos: Shutterstock-Anbieter Netrun78, Katerina Morozova, Lazhko Svetlana, j.chizhe, und oleschwander. Schaut auf Shutterstock vorbei und lasst euch von Bildern zu nachhaltiger Verpackung und umweltfreundlichen Produkten inspirieren.

Verpackungen neu gedacht

Das Beste wäre natürlich, auf alle Verpackungen zu verzichten: Seit der Eröffnung des ersten Unverpackt-Ladens in Kiel im Jahr 2014 gibt es in Deutschland immerhin schon über 100 Geschäfte, die Lebensmittel und Kosmetikartikel ohne Verpackungen anbieten. Für viele andere Produkte wäre das jedoch nicht praktikabel. Daher gilt es, für die notwendigen Verpackungen umweltfreundlichere Lösungen zu finden – also weniger Verpackung zu verwenden oder diese aus nachhaltigeren Materialien herzustellen, damit sie recyclingfähig, kompostierbar oder wiederverwendbar sind.

Für Produktentwickler und Designer gibt es also jede Menge Herausforderungen. Wellpappe statt Styropor-Pellets oder Folien aus Kartoffel- oder Maisstärke werden wir daher immer öfter sehen.

Eine andere Option sind wiederbefüllbare Verpackungen. So gibt es beim Online-Anbieter Loop, der von Unternehmen wie Unilever oder PepsiCo unterstützt wird, die Produkte von Markenherstellern in langlebigen Verpackungen zu kaufen. Loop wurde 2020 gestartet und liefert derzeit über 150 Produkte von 35 großen Marken in nachfüllbaren Packungen nach Hause. Diese können bis zu 100 Mal wiederverwendet werden. Das Angebot ist bisher in Frankreich, den USA und Großbritannien erhältlich und soll in naher Zukunft auch in Japan, Australien und Kanada starten.

Besteck & Geschirr: aufessen, wiederverwenden oder einfacher recyceln

Zum Mitnehmen? Oft heißt es heute auch: zum Mitessen! Trinkhalme aus Zucker und Agar-Agar, Algenverpackungen oder essbares Besteck und Geschirr aus Weizenkleie – für den Imbiss unterwegs gibt es schon eine ganze Reihe von Verpackungen, die man gleich mitessen oder zumindest kompostieren kann.

Die veganen Löffel von Kulero gibt es inzwischen in sechs verschiedenen Geschmacksrichtungen: 4 für herzhafte und 2 für süße Speisen. Sie kommen bei Festivals, Food Trucks und in Eisdielen zum Einsatz und werden aus nachwachsenden Rohstoffen wie Hirse, Gerste und anderen Getreidemehlen hergestellt. Selbst in heißen Suppen bleiben sie bis zu 30 Minuten stabil. Bei kalten Gerichten oder Desserts halten sie sogar bis zu 60 Minuten ihre Form. “Seit 2019 haben wir mit unseren Löffeln über drei Millionen Plastiklöffel eingespart”, sagt Juliane Schöning, Mitgründerin von Kulero, über den Beitrag des Unternehmens zu mehr Nachhaltigkeit.

 Fotos: Kulero

Ein weiterer Trend sind wiederverwendbare Getränkebecher, wie die von Recup. Über ein Pfandsystem soll sichergestellt werden, dass die Becher in den teilnehmenden Filialen zurückgegeben und so Millionen von Wegwerfbechern eingespart werden. Auch die Deutsche Bahn testet das System.

Fotos: Recup

Große Marken wollen nachhaltiger werden

Fast-Food-Ketten, Mode-Versandhändler und Softdrink-Hersteller haben den Nachhaltigkeitstrend – und das wachsende Umweltbewusstsein ihrer Kunden – ebenfalls entdeckt. Zwar ist zum Beispiel bei McDonalds die Müllmenge bisher noch nicht wesentlich gesunken, aber Mehrwegverpackungen, Porzellantassen oder Schachteln aus Graspapier sollen dabei helfen, in naher Zukunft nur noch recycelbare oder kompostierbare Verpackungen zu verwenden. 

Auch der dänische Bierhersteller Carlsberg experimentiert mit ungewöhnlichen Verpackungen. Statt auf grüne Flaschen will das Unternehmen nun auf ein grünes Image setzen – mit Bierflaschen aus nachhaltiger Holzfaser, die zu 100 % recycelbar sind. Das norwegische Unternehmen Elopak wiederum schickt holzbasierte Getränkekartons ohne Plastikverschluss in das Rennen um die nachhaltigste Verpackung.

Fotos: Carlsberg, Die Green Fibre Bottle, die weltweite erste Bierflasche aus “Papier”.

Pilze, Plastik und Holzfasern im Luxus-Look

Die US-Amerikaner Eben Bayer und Gavin McIntyre überraschten die Verpackungsbranche vor einiger Zeit mit ihrem Material EcoCradle. Abfallprodukte aus der Landwirtschaft, wie Baumwollhülsen oder Getreidespelzen, wachsen mithilfe von Myzel (Pilzwurzeln) innerhalb weniger Tage zu einem nachhaltigen, wasserabweisenden Material zusammen. Damit stellt ihr Unternehmen nicht nur Verpackungen her, sondern auch Produkte für die Bekleidungs-, Kosmetik- und Möbelindustrie.

Die finnische Verpackungsfirma Sulapac setzt bei ihren Produkten ebenfalls auf natürliche Rohstoffe wie Holzspäne. Ihre luxuriösen Boxen und Schachteln für edle Pralinen, Kosmetikartikel und Schmuck sind daher kompostierbar.

Fotos: Sulapac 

Sogar Kosmetik– und Uhrenhersteller haben begonnen, ihre Luxusartikel in gar nicht so edles Material zu verpacken. So plant der Kosmetikriese L’Oréal, bis 2025 alle seine Plastikverpackungen so zu gestalten, dass sie wiederbefüllbar, recycle- oder kompostierbar sind. Erste Beispiele sind papierbasierte Kosmetiktuben und Shampoo-Flaschen
Laut Tim Sayler, dem Marketingchef des Luxusuhren-Herstellers Breitling, ging es bei den neuartigen Verpackungen – wie beispielsweise einer faltbaren Schachtel aus PET – darum, den ökologischen Fußabdruck zu verringern und Transportkosten zu sparen.

Design und Nachhaltigkeit

Selbst im Grafikdesign stehen immer öfter ökologische und soziale Kriterien im Fokus. So veröffentlichte die Allianz deutscher Designer (AGD) 2019 eine “Charta für nachhaltiges Design”. Dabei geht es unter anderem darum, als Designer materialeffizient, abfallarm, recyclinggerecht und sozial verträglich zu arbeiten, zum Beispiel durch die Nutzung nachhaltiger Papiere und Druckfarben oder umweltfreundlicher Druckereien aus der Region. “Nachhaltiges Design” gibt es sogar inzwischen als Studiengang und der Deutsche Nachhaltigkeitspreis wurde 2020 erstmals in der Kategorie Design vergeben.

Das Thema Plastikmüll wird zudem immer wieder in Plakat- und Anzeigenkampagnen aufgegriffen. Schließlich kommen seit dem letzten Jahr auch Millionen von Einwegmasken und große Mengen von anderer Schutzbekleidung zu den Müllbergen dazu.

Nachhaltigkeit beim Produktdesign

Bei der Gestaltung von Produkten suchen Designer ebenfalls zunehmend nach nachhaltigen Alternativen. So ist das Berliner Startup Halm mit seinen Trinkhalmen aus Glas sehr erfolgreich – in über 10.000 Restaurants und Bars gibt es sie schon. Angesichts des kommenden Verbots von Einwegartikeln in der EU und von Milliarden Plastikhalmen, die bisher weltweit weggeworfen werden, kommen die umweltfreundlichen Produkte genau zur richtigen Zeit.

Fotos:  Shutterstock-Anbieter photo_elis, Milena Ugrinova, instacruising,und Pinkasevich, Bei Shutterstock findet ihr Trinkhalme aus Glas, Edelstahl, Bambus und anderen Materialien und noch mehr Inspiration. Prosit, auf eure nächsten umweltfreundlichen Design-Projekte!

Auch im Modedesign wird das Thema Nachhaltigkeit zunehmend wichtiger: Es gibt viele spannende Ideen – von Kreationen aus Textilresten und Bademode aus Plastik aus dem Meer über ökologisch angebaute Baumwolle bis hin zum Umdenken in Sachen Kleidungskonsum und der Etablierung einer Kreislaufwirtschaft für Textilien. Selbst große Modehäuser, wie Gucci oder Prada, arbeiten mittlerweile daran, in den nächsten Jahrzehnten CO2-neutral zu werden.

Sportartikelhersteller adidas nutzt in einem ersten Schritt in seinen Textilien recyceltes Plastik, das aus den Ozeanen stammt: Umgerechnet 4 Milliarden Plastikflaschen stecken in der Sportbekleidung, die 2019 verkauft wurde. Ab 2024 soll laut Plan nur noch Polyester aus recycelten Quellen verwendet werden. In Zukunft will das Unternehmen Sneaker so produzieren, dass sie zurückgenommen werden können, um das Material zu recyceln und daraus neue Schuhe herzustellen – oder gleich bevorzugt natürliche Rohstoffe verwenden. Der Schuhhersteller Allbirds setzt bereits heute auf Eukalyptusfasern, Zuckerrohr und Merinowolle.

Tipps für eure Verpackung

Wenn ihr einen Online-Shop habt und eure Produkte umweltbewusster verpacken wollt, dann haben wir hier ein paar Tipps für euch:

  • Verwendet nicht nur bei Kartons und Schachteln nachhaltige Materialien, sondern auch beim Füllmaterial und beim Druck: FSC-zertifiziertes, ungestrichenes Papier und Holz, wasserbasierte Farben, Pflanzenfasern, Bambus usw.
  • Versucht, den Umfang der Verpackung zu reduzieren und weniger unterschiedliche Materialien zu verwenden.
  • Gestaltet die Verpackung so, dass sie nach dem Versand auch zu anderen Zwecken genutzt werden kann.
  • Spart nicht beim Design. Attraktiv gestaltete Verpackungen laden nicht nur zur Weiterverwendung ein, sie sind auch gut für euer Marketing. Setzt daher auf natürliche Bilderwelten, die eurer Marke entsprechen und gleichzeitig das Thema Nachhaltigkeit kommunizieren.

Auch wenn Design allein die Welt nicht retten kann – wenn wir umweltfreundlichere Verpackungen und nachhaltigere Produkte nutzen, sind wir ganz sicher auf dem richtigen Weg. Simon Mbata, Müllsammler in Südafrika und Koordinator der South African Waste Picker Association (SAWPA) brachte es 2020 auf den Punkt: „Was nicht recycelt werden kann, sollte nicht hergestellt werden dürfen.


Titelbild: Valentina Shilkina

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