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Sommerliche Streifen: eine Geschichte in 20 Fotos

So wie Sonnenschein und Cocktails gehören auch fröhlich gestreifte Stoffe und Designs zum Sommer, denn sie kommen nie aus der Mode.

Wenn ihr rausgeht und euch umseht oder schaut, was ihr selbst tragt, stehen die Chancen gut, dass euch irgendwo ein gestreiftes Muster ins Auge fällt. Streifen gehören zweifellos zu den flexibelsten und beständigsten Mustern, die sich an nahezu jeden Einsatzort in unserer Wohnung oder an unserer Kleidung anpassen können.

In diesem Artikel sehen wir uns deshalb die Geschichte sommerlicher Streifen an, die ganz bescheiden im Frankreich des 18. Jahrhunderts begann, und verfolgen die Wandlung dieses ikonischen Musters über die letzten 100 Jahre.


Sommerstreifen: eine kurze Geschichte

Auch wenn gestreifte Stoffe ihren Ursprung im 13. Jahrhundert hatten (als sie das anstößige Zeichen für Prostituierte und Musiker waren), dauerte es bis zur Industriellen Revolution, bis Streifen tatsächlich im Alltag ankamen.

Historisch gesehen, waren gestreifte Gewebe einfach und billig herzustellen. Sie wurden entweder aus Stoffstreifen zusammengenäht oder als Kettstreifen zu einem haltbaren Stoff gewoben, der sich perfekt für Polster, Matratzen oder Gebrauchsstoffe für die Seefahrtsbranche eignete. Der Inbegriff für letztere Anwendung ist wohl der Drillich, der im 18. Jahrhundert in der französischen Stadt Nîmes erfunden wurde.

Obwohl gestreiftes Gewebe vermutlich einen funktionalen Ursprung hatte, wurde es schnell politisiert, indem es mit französischen oder US-amerikanischen Revolutionären in Verbindung gebracht wurde, die visuell dramatische und einfach erstellte gestreifte Designs für Flaggen und Gehröcke bevorzugten.

French Revolutionaries

Französische Revolutionäre in gestreifter Kleidung vor dem Hintergrund einer Guillotine im späten 18. Jahrhundert. Bild: Historia/​Shutterstock.

Ganz weit weg von jedem revolutionären Bezug ist jedoch eine der beständigsten Assoziationen, die wir mit Streifen verbinden: der Glamour des Reisens, und dort vor allem ein Ort – die Französische Riviera. Basierend auf den lange in Frankreich produzierten Drillichstoffen, wurden Streifen zu Beginn des 20. Jahrhunderts zum allgegenwärtigen Teil der Kulisse eines jeden Strandurlaubs, von Liegestühlen und Schirmen bis zu Badebekleidung.

French Riviera

Klassische sommerliche Streifen am Strand der Französischen Riviera, hier in Nizza. Foto: Kirk Fisher.

Häuslichkeit und Revolution, Urlaub und Umsturz: Diese doppelten Bedeutungen haben vielleicht dazu beigetragen, dass Streifen bis heute so anpassungsfähig sind und in der Mode und im Innenraumdesign schon so lange beliebt sind. Sie sind klassisch und punkig zugleich, es gibt sie für jeden Geschmack und jede Persönlichkeit.

Kommen wir jetzt zur faszinierenden Geschichte der sommerlichen Streifen der letzten 100 Jahre, vom Glanz der an der Riviera spielenden Filme bis zu ihrer Verwendung im Punkrock. 


1900-1930: Ein Tag am Meer

In den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts zog es die Reichen im Sommer an die Riviera. Die Romane von F. Scott Fitzgerald fangen den exzessiven Lebensstil und die Stimmung der Jetsetter im Zeitalter des Jazz ein, die die Tage am Strand und die Nächte auf Partys in den umliegenden Villen verbrachten.

Vogue Portrait

In den 1920er Jahren lockte der Glamour der Riviera reiche Gäste aus ganz Europa und den USA an. Fröhliche Streifen waren die Kulisse für den Sommerurlaub in Frankreich. Foto: George Hoyningen-Huene/​Condé Nast/​Shutterstock.

Streifen, die schon lange Zeit ein Merkmal für Textilien und Modedesigns aus Frankreich waren, wurden nun auch für Markisen, Handtücher, Liegestühle und Badeanzüge verwendet und wurden so zum Symbol für Anspruch und den Glamour des Jetsets. Frische rote, grüne oder blaue Streifen kombinierte man mit Weiß und zitierte damit die Verbindungen des Musters zur Seefahrt. Zudem tauchten Streifen immer wieder auf den Seiten von Top-Modemagazinen wie Vogue und Vanity Fair auf – entweder als Teil der Couture-Kleider oder in den Hotelkulissen der stimmungsvollen Illustrationen.

Vogue Cover

Rot-weiße Streifen auf einem Strandschirm im Hintergrund dieser Cover-Illustration der Vogue aus dem August 1913. Bild: Will Hammell/​Condé Nast/​Shutterstock.


1930-1950: The French Connection

In den Jahren vor dem 2. Weltkrieg wuchs das aufstrebende Ansehen der französischen Modeindustrie in Europa und Nordamerika weiter – und die Bedeutung von Streifen als wesentlicher Aspekt der Textilgeschichte des Landes ebenso. Während der 1930er Jahre experimentierten Modedesigner für ihre gestreiften Stoffe mit verschiedenen Farbkombinationen und präsentierten dem internationalen, modebewussten Publikum klassische französische Kleidungsstücke wie den Breton (ein gestreifter Pullover, den französische Seeleute im 19. Jahrhundert trugen).

Actor Madge Evans

Hollywood-Schauspielerin Madge Evans mit einem gestreiften Oberteil im Breton-Stil auf einem Porträt für die Vanity Fair im Jahr 1933. Foto: George Hurrell/​Condé Nast/​Shutterstock.

In den 1940er Jahren bekamen Streifen einen nationalistischen und funktionalen Charakter. Aber zum Ende des Jahrzehnts zeigte das neuerliche Interesse an maritimen Designs für Mode- und Innenraumgestaltung, dass die Streifen wieder das Muster der Wahl waren, wenn es um Urlaub und Familienvergnügen ging.

1947 Glamour Cover

Urlaubsreife Streifen standen für die optimistische Stimmung der Nachkriegsjahre. So zeigte das Glamour Magazine 1947 fröhliche rot-weiße Streifen und strandtaugliche Badeanzüge. Bild: Constantin Joffe/​Condé Nast/​Shutterstock.


1950-1960: Hollywood liebt Streifen

Zu Beginn der 1950er-Jahre katapultiert der Einfluss Frankreichs in der Modewelt die Streifen in das Reich der Kinofilme: Heimische Stars wie Brigitte Bardot und US-Filmikonen wie Grace Kelly oder Audrey Hepburn trugen immer wieder Streifen in den Hollywood-Filmen, die von Reisen durch Europa schwärmten. 

50s Stripes

Kalifornien, 1955: Ein Model mit einem glamourösen, rot-weiß gestreiften Kleid mit weitem Rock. Foto: Clifford Coffin/​Condé Nast/​Shutterstock.

In jenem Jahrzehnt wurden die Streifen amerikanisiert, als sie in den klaren, patriotischen Farbtönen Rot, Blau und Weiß dazu verwendet wurden, Häuser zu dekorieren und die US-amerikanische “Prep Culture” (abgeleitet von den ehrwürdigen, privaten studienvorbereitende Schulen, den “college preparatory schools”, im Nordwesten) zu illustrieren. So sah man maritime Streifen in der adretten Kleidung der College-Studenten und der wohlhabenden Wochenendurlauber.

Actor Ali MacGraw

Die Schauspielerin Ali MacGraw, die für ihren markanten Prep Style bekannt war, auf einem Segelboot mit einem gestreiften Hemd von Koret of California. Foto: Sante Forlano/​Condé Nast/​Shutterstock.


1960-1970: Pucci und Pop Art

Die 1960er-Jahre waren in jeder Hinsicht revisionistisch und rebellisch, sogar die Streifen wurden neu erfunden, um sich dem veränderten Geschmack anzupassen. Die Verbindung von Streifen und dem Glamour des Jetsets erreichte in jenem Jahrzehnt ihren Höhepunkt. Schließlich wurden auch Flugreisen immer erschwinglicher. Designer ließen sich daher von Stilen aus nun zugänglichen Regionen, wie Indien oder Nordafrika, beeinflussen.

Emilio Pucci sowie Ottavio und Rosita Missoni schufen damals einen neuen Stil von extravaganter, musterbetonter Mode, der in den Textilhochburgen von Mailand und Florenz entstand. Auffällige, ultrafarbige Streifen ersetzten die klaren, maritimen Stile der 1950er-Jahre. Fließende Tuniken und Palazzo-Hosen gaben den Streifen einen eher anrüchigen und psychedelischen Charakter.

Zur gleichen Zeit nutzten New Yorker Pop-Art-Künstler, wie Andy Warhol und Roy Lichtenstein plakative Streifen, um einen grafischen, cartoonartigen Effekt in ihre Werke zu bringen. Die Leidenschaft jenes Jahrzehnts für das Monochrome resultierte in fließend-gestreiften Mustern, die in Magazin-Layouts und Werbeanzeigen für verblüffende, optische Täuschungseffekte sorgten.

Mia Farrow

Schauspielerin Mia Farrow 1968 mit einem gestreiften Top und dazu passender Hose. Foto: David Bailey/​Condé Nast/​Shutterstock.


1970-1980: Streifen im Punk Rock

Streifen hatten während des 20. Jahrhunderts eine innige Verbindung mit der Mode entwickelt – und dadurch auch mit der Musikszene, aus der dann wiederum neue Modetrends entsprangen. In den 1970er-Jahren waren die Trends in Mode- und Innenraumdesign überwiegend von der Musik jenes Jahrzehnts geprägt, die eine Vielzahl von Musikgenres und dazugehöriger Designstile hervorbrachte.

Model Iman

Iman zeigt hier in einer Ausgabe der Vogue von 1977 Blockstreifen und eine entspannte Modelpose, die typisch für die 1970er-Jahre war. Foto: Jacques Malignon/​Condé Nast/​Shutterstock.

Als Teil des Artwork für den Punk und später den New Wave fanden Streifen eine neue Bedeutung in der Indie- und alternativen Szene, allerdings mit ungewöhnlichen Farbpaletten aus hellen Neontönen und stark kontrastierendem Schwarzweiß. Für viele Musiker jener Zeit waren Streifen eine Art rebellische, auffallende Konzertuniform. Aus Streifen wurden visuell aufregende Bühnenkostüme, die auf die historischen Verbindungen des Musters zu Rebellion und Revolution verwiesen.

Musician Iggy Pop

Der Musiker Iggy Pop trug 1971 in einer Fotostrecke der GQ eine gestreifte Jacke. Foto: Peter Hujar/​Condé Nast/​Shutterstock.


1980-1990: Streifen als Währung

In dem Jahrzehnt, in dem “Bling” und Dreistigkeit regierten, legten Streifen dann ihr idyllisches Urlaubs-Image ab. Denn Designer experimentierten mit knalligen, grafischen Farbkombinationen und – wen wundert’s – jeder Menge Gold.

Die modernistischen Primärfarben früherer Jahrzehnte waren vergessen. Jetzt traten grelle Neonfarben, Tintenschwarz, Violett- und Rosatöne in den Mittelpunkt. Bonbonfarbene Schattierungen wurden in den Kreationen von Designern, wie Helmut Newton und Gianni Versace, durch Schwarz und Gold kontrastiert. Was veränderte sich jedoch nicht? Die Assoziation von Streifen mit dem Urlaub im Sommer war auch in den 1980er-Jahren in der Mode ein wichtiges Thema. Allerdings wurde jetzt die Beziehung zu Reichtum und Exzess noch weiter übertrieben. Zudem ahmte die Art der Streifen den geometrischen, aufsehenerregenden Stil der Memphis Group nach, ein Designstil der in den frühen 1980er-Jahren in Italien entstanden war. 

Model Cindy Crawford

Supermodel Cindy Crawford in einem gestreiften Kleid von Jean Paul Gaultier auf einem Foto in der Vogue von 1989. Foto: Wayne Maser/​Condé Nast/​Shutterstock.

Zu Beginn der 1990er-Jahre stürmten die Supermodels die Laufstege mit gestreiften Kreationen von Jean Paul Gaultier (der stark von französischer maritimer Mode beeinflusst war). Damit war der maritime, sonnendurchflutete Ansatz für das Design von Streifen wieder ganz vorn auf den Titeln von Top-Modemagazinen wie der Vogue.

Model Christie Turlington

Die traditionelle Assoziation von Streifen mit Reisen und Urlaubsorten in Europa kam zu Beginn der 1990er-Jahre wieder in Mode, wie in diesem Fotoshooting mit Christie Turlington 1992 in Portofino. Foto: Arthur Elgort/​Condé Nast/​Shutterstock.


1990-2000: Grunge und Modetheater

In den 1990er-Jahren kamen die Streifen wieder auf ihre rebellische Vergangenheit zurück, als eine Reihe von Designern Streifenmuster nutzten, um einen hybriden Modestil zu erschaffen, der barocke Elemente mit dem aufkommenden Grunge-Stil in der Musik und Mode kombinierte. An der Spitze dieser Bewegung standen Querdenker wie Vivienne Westwood und John Galliano, die Streifen in einer vom Punk beeinflussten, anarchischen Art und Weise verwendeten.

John Galliano Spring/Summer Collection

In den frühen 90ern verwendete John Galliano Streifen, um den revolutionären und rebellischen Geist seiner Grunge-trifft-Geschichte-Modedesigns zu unterstreichen. Dieses Porträt stammt aus Gallianos ”Olivia the Filibuster” Frühjahr/Sommer-Kollektion von 1993. Foto: Guy Marineau/​Condé Nast/​Shutterstock.

Als völliger Gegensatz zum Ultraminimalismus von Calvin Klein und Jil Sander waren diese gestreiften Designs die Einheitskleidung für coole und anti-kommerzielle Großstädter, die Grunge und Indie-Musik hörten.

Comme des Garcons

Janine Giddings und Patricia Hartmann tragen vom Grunge beeinflusste, gestreifte Kleider von Comme des Garcons in Miami im Mai 1993. Foto: Arthur Elgort/​Condé Nast/​Shutterstock.


2000-2010: Streifen auf der ganzen Welt

Nachdem Grunge den adretten Charakter von sommerlichen Streifen zerlegt hatte, waren die frühen 2000er noch nicht bereit, die klassischen Streifen wieder hochleben zu lassen. Streifenmuster wurden sehr schmal und vielfarbig, inspiriert von einem Modestil, der vom britischen Designer Paul Smith vorangetrieben wurde. Gleichzeitig entstand durch die steigende globale Mobilität ein Interesse für indigene Streifenmuster und Stoffe.

Model Karolina Kurkova

Micro-Miniröcke und superschmale Streifen waren schwer angesagt in den frühen 2000er-Jahren. In diesem Foto vom Juni 2002 trägt das Model Karolina Kurkova ein Bandeau-Top und einen Minirock von Emilio Pucci. Foto: Arthur Elgort/​Condé Nast/​Shutterstock.

Der daraus resultierende Boho-Style, der die Mode dieses Jahrzehnts dominierte, schlachtete viele dieser historischen Muster kommerziell aus – eine Form der Aneignung, die heute möglicherweise kritischer diskutiert werden würde. Dieser entspannte Umgang mit Streifen war jedoch in jenen Jahren im Mode-, Innenraum- und Produktdesign sehr einflussreich.

Striped Poncho

Der Boho-Boom in der Mode resultierte in einer weicheren Interpretation von sommerlichen Streifen, bei der die Designer sich von vielen Kulturen beeinflussen ließen. Dieses Modefoto von 2006 fängt die Stimmung von Fernweh aus der zweiten Hälfte dieses Jahrzehnts ein. Foto: Arthur Elgort/​Condé Nast/​Shutterstock.

Gegen Ende der 2000er-Jahre wurde Sportkleidung als Modestil immer dominanter. Streifen, mit ihrer Assoziation mit Sportmannschaften und Aktivitäten im Freien, passten daher perfekt auf Sommer-Kollektionen.

Tennis Player Serena Williams

Tennis-Superstar Serena Williams 2005 mit einem gestreiften Shirt. Foto: Arthur Elgort/​Condé Nast/​Shutterstock.


2010 bis heute: Die Rückkehr von adretten sommerlichen Streifen

Wie wir in unserer Reise durch 100 Jahre gesehen haben, üben Streifen auf Designer einen bemerkenswert langlebigen Reiz aus. In jüngster Zeit schauen Designer wieder auf die Rolle von Streifen im frühen 20. Jahrhundert zurück, als sie Symbol für Reisen und den Sommer waren.

Insbesondere in Mode, Gestaltung und Musik haben Designer die adretten Streifen wieder aufgegriffen. Taylor Swift, seit langem schon Fan von Streifen, verwendete maritim-inspirierte Muster in ihren Videos, um die nostalgische Stimmung ihrer Clips zu unterstreichen. Modehäuser wie Gucci, unter Leitung von Alessandro Michele, setzen in jüngeren Kollektionen Streifen auf spielerische und eklektische Weise ein, indem sie das ikonische Muster mit anderen nostalgischen Prints kombinierten.

Gucci Spring/Summer 2016 Collection

Ein Model auf dem Laufsteg bei der Frühjahr/Sommer-Show von Gucci im Jahr 2016. Foto: FashionStock.com.

Daneben haben auch die wachsende Präsenz der LGBTQ+ Community und Pride-Events auf der ganzen Welt dafür gesorgt, dass Regenbogen-Paletten in der Mode, dem Branding, auf den Social-Media-Kanälen und auch in der Musik oder bei Events weit verbreitet sind.

Singer Cardi B

Cardi B beim Auftritt auf dem Made In America Festival in Philadelphia im Jahr 2019. Foto: Daniel DeSlover/​ZUMA Wire/​Shutterstock.


Coverfoto: Horst P Horst/​Condé Nast/​Shutterstock.

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