Ein absoluter Trend sind Porträts aus Polygonen. Dabei kommen zahlreiche Dreiecke zum Einsatz, die mal größer, mal feiner das jeweilige Gesicht abstrahiert nachbilden. In Photoshop ist dazu etwas Fleißarbeit gefragt, obwohl eine einzige Aktion hier den Großteil der Arbeit abnimmt und wir dann nur eine Hälfte des Gesichtes nachzeichnen müssen. Auch geht es hier darum, dass Gesicht nicht allzu genau nachzubilden, das Stichwort “Low Poly” darf also gerne mal ernst genommen werden, ein reduzierter Look ist unser Ziel.

Polygon-Verwandlung #1: Farblook

Der einfachste Weg zum Low Poly-Stil führt über Dreiecke, die einfach über das Porträtfoto eingezeichnet werden. Zuvor lohnt es sich aber, die Farben noch etwas anzupassen, einfach um das Ausgangsfoto noch etwas cooler zu gestalten. Der schnellste Weg zum besonderen Farblook führt über das Menü und Ebene > Neue Einstellungsebene > Color Lookup.

Hier wurde etwa die 3DLUT-Datei Soft_Warming.look aktiviert, sowie FoggyNight.3DL mit einer Deckkraft von 55%. Damit wurde der Kontrast reduziert und die Farben leicht angepasst. Wer mag, erzeugt noch eine neue Ebene (etwa über Umschalt+Strg+N) und füllt diese mit einer Farbe, wie etwa #441133. Die Füllmethode Negativ multiplizieren mit einer Deckkraft von 60% sorgt dann für die gewünschte Farbstimmung.

Farblook anpassen

Polygon-Verwandlung #2: Dreiecke einzeichnen

Aktiviere das Zeichenstift-Werkzeug und aktiviere in der Optionsleiste Form. Zoome mit der Lupe an einen Bereich näher heran und zeichne das erste Dreieck ein. Über einen Doppelklick auf die Ebenenminiatur kannst du die Farbe leicht ändern. In der Optionsleiste stellst du den Aufnahmebereich auf etwa 31 x 31 Pixel im Durchschnitt ein und klickst dann mit der Pipette in das Dokument. So wird eine passende Farbe zum Hintergrund des Dreiecks gewählt.

Erste Dreiecke einzeichnen

Polygon-Verwandlung #3: Weitere Dreiecke

Nach und nach (jetzt kommt die Fleißarbeit) zeichnest du so Dreieck an Dreieck, wobei feinere Bereiche auch mit wesentlich kleineren Dreiecken nachgebildet werden, um die Formen besser zu erkennen. Gerade der Bereich um die Augen sollte sehr fein nachgezeichnet werden. Wurden alle Dreiecke gesetzt, so kannst du im Hintergrund noch einen Verlauf einziehen. Vielleicht steigerst du jetzt noch den Kontrast über eine Neue Einstellungsebene > Gradationskurven.

Kontrastverstärkt

Weitaus professioneller und geordneter ist die Methode, die der Photoshop-Profi DomQuichotte von FX-Ray entwickelt hat. Etwas Vorbereitung und die Erstellung einer Aktion sind dabei nötig:

Polygon-Vorbereitung #1: Raster einrichten

Wir werden über 600 Dreiecke produzieren, aber davon nur 300 wirklich einzeichnen. Damit das recht schnell gelingt, bedarf es etwas Vorbereitung. Gehe dazu im Hauptmenü auf Bearbeiten > Voreinstellungen > Hilfslinien, Raster und Slices und stelle bei Raster > Rasterlinie alle: auf 10 Pixel ein. Unterteilungen wird auf 1 umgestellt, die Art auf Gepunktete Linien, damit wir die darunter stehenden Pixel auch gut erkennen. Definiere noch eine passende Farbe der Linien, die sich gut vom Bildinhalt unterscheidet.

"Voreinstellungen

Polygon-Vorbereitung #2: Raster aktivieren

Gehe zunächst auf Ansicht > Anzeigen > Raster. Es folgt Ansicht > Ausrichten an > Raster und Ansicht > Ausrichten. Damit gehe wir sicher, dass unser Raster sichtbar ist und Photoshop uns dabei unterstützt, die Ecken des Rasters zu treffen. Wir versuchen in der folgenden Bearbeitung die Eckpunkte zu treffen, wobei Photoshop leicht “magnetisch” den Mauszeiger zur richtigen Stelle zieht.

Raster aktivieren

Polygon-Vorbereitung #3: Glätten deaktivieren

Für das Zeichnen der Dreiecke verwendest du das Polygon-Lasso-Werkzeug. Dieses erzeugt von Haus aus aber glatt verlaufene Kanten. Sonst ist das natürlich erwünscht, doch sorgt dieses Antialiasing für feine, doch deutlich sichtbare Lücken zwischen den Dreiecken, die wir mit dem Deaktivieren leicht verhindern können. Aktiviere dazu das Polygon-Lasso-Werkzeug, das an gleicher Stelle zu finden ist, wie das Lasso-Werkzeug. Deaktiviere nun in der Optionsleiste Glätten.

Glättung deaktivieren

Polygon-Vorbereitung #4: Aktion erzeugen

Wir müssen über 300 Dreiecke zeichnen. Dabei wiederholen sich einige Arbeitsschritte, die Photoshop auch voll automatisiert übernehmen kann: und das sogar auf Knopfdruck. Gehe dazu im Menü auf Fenster > Aktionen. Im Dialog-Fenster kann über das Blatt-Icon Neue Aktion erstellen die Aufzeichnung gestartet werden. Geben der Aktion den Namen Polygone und weise dieser eine der Funktionstasten, wie etwa F1 oder F2, zu. Klicke dann auf Aufzeichnen.

Aktion vorbereiten

Photoshop ist nun scharf geschaltet und im Aufzeichnungsmodus. Drücke Strg+J, zum Kopieren (später wird dadurch der Inhalt einer Auswahl in Dreiecksform auf eine eigene Ebene kopiert). Klicke die Ebenenminiatur mit gedrückter Strg-Taste an. Durch das Kopieren wurde unsere Auswahl leider aufgehoben und so holen wir uns diese wieder. Gehe im Menü auf Filter > Weichzeichnungsfilter > Durchschnitt berechnen. Dieser Schritt ist wichtig, da die Polygone jeweils aus einer Farbe bestehen sollen. Photoshop berechnet hier automatisch den Durchschnitt, so dass die Farbe fasst immer passen wird. Gehe im Menü auf Auswahl > Auswahl aufheben und klicke dann die Hintergrundebene an.

Der Durchschnitt sorgt für die Farbe des Polygons

Allgemeine Vorgehensweise

Wir brauchen viele, kleinere Dreiecke an den Augen, den Augenbrauen und dem Ohr. Dreiecke in mittlerer Größe und Anzahl an der Nase und dem Mund und ansonsten eher große Dreiecke im Rest des Porträts. Vergrößere einen Bildbereich, etwa das Auge, mit dem Zoom-Werkzeug und schaue dir die Formen an. Legst du erst einmal mit einem Dreieck los, so ergeben sich alle weiteren Dreiecke ganz automatisch. Einzig der Übergang von kleinen zu großen Dreiecken kann etwas knifflig sein. Du wirst staunen, wie schnell du nun Dreieck an Dreieck produzieren wirst.

Das Ausgangsfoto

Augenbrauen nachzeichnen

Die Augenbrauen bieten sich für den Start an, da diese oft spitz zulaufen und so automatisch ein erstes Dreieck bilden. Mit dem Polygon-Lasso wird also über drei Ecken des Rasters ein erstes, kleines Dreieck erzeugt. Drücke die Taste (etwa F1 oder F3), die du bei der Erzeugung der Aktion definiert hattest. Photoshop hat nun den Inhalt der Auswahl kopiert, den Durchschnitt berechnet, die Auswahl aufgehoben und wieder die Hintergrundebene aktiviert. Jetzt kannst du auch schon das zweite Dreieck einzeichnen.

Die ersten Dreiecke wurden erzeugt

Dreieck an Dreieck

Wähle eine der Seiten des ersten Dreiecks aus und davon ausgehend wieder ein neues Dreieck. So entstand Dreieck an Dreieck die Augenbraue. Von der Augenbraue geht es dann weiter zum Auge, das sehr fein nachgezeichnet werden sollte. Die kleinste mögliche Einheit ist ein halbiertes Quadrat des Rasters.

Das Auge wird mit recht kleinen Polygonen nachgebildet

Wurde das Auge und die Augenbraue nachgezeichnet, müssen wir uns um einen guten Übergang zu den größeren Dreiecken kümmern. Sorge dazu für eine längere Kante, von der aus du das größere Dreieck aufspannen kannst. Im Beispiel ist diese gut zu erkennen.

Von kleinen zu größeren Dreiecken

Nur eine Hälfte

Forme so Schritt für Schritt eine Seite des Gesichtes nach. Achte dabei darauf, in der Mitte des Gesichtes möglichst mit geraden Kanten abzuschließen. So lässt sich die Kopie der Hälfte später leichter positionieren. Übrigens formen die Kanten auch Linien. Achte drauf, etwa die Linie zwischen Ober- und Unterlippe nachzuzeichnen sowie die Kanten der Nasenlöcher und den Übergang der haut zum Haar. Die größten Dreiecke entstehen am Hals, der später die Grundlage für den Kopf bilden soll.

Eine Hälfte des Gesichtes

Zwei Hälften ergeben ein Ganzes

Wurde die Hälfte des Porträts nachgeformt, so kann sie kopiert werden. Wähle dazu die oberste Ebene aus und dann bei gedrückter Umschalttaste die unterste Ebene mit einem Dreieck. Drücke Strg+G auf der Tastatur, um die Ebenen zu gruppieren. Die Gruppe kann nun leicht kopiert werden, etwa über Strg+J. Nach Bearbeiten > Transformieren > Horizontal spiegeln folgt die Positionierung mit dem Verschieben-Werkzeug.

Die Kopie wurde positioniert

Natürlich ist es auch jetzt noch möglich, auf einer eigenen Ebene einfach mit dem Polygon-Lasso neue Dreiecke auszuwählen und diese mit einer passenden Farbe zu füllen. So habe ich hier etwa die Nase etwas optimiert.

Nase leicht optimiert

Feinschliff

Zuletzt habe ich alle Ebenen kopiert und auf eine einzige Ebene reduziert. Das gelingt recht leicht mit der Auswahl im Ebenenbedienfeld bei gedrückter Umschalttaste, dem Ziehen aller Ebenen auf das Icon Neue Ebene erstellen und einem Klick im Menü auf Ebene > Auf eine Ebene reduzieren. Unterhalb dieser Kopie habe ich eine weitere Ebene eingefügt. Gefüllt wurde diese mit einem Verlauf von #335566 (RGB 51, 85, 102) zu #99dddd (RGB 153, 221, 221). Das Verlaufswerkzeug stand in der Optionsleiste auf einen Verlauf von der Vorder- zur Hintergrundfarbe und Radialverlauf.

Ein Hintergrund und ein leichter Zuschnitt der Form sorgt für eine professionelle Wirkung

Wer mag, kopiert noch das Originalfoto und positioniert dieses oberhalb der Ebene mit der Polygon-Version. Ebene > Schnittmaske erstellen sorgt dafür, dass unser Original nur da zu sehen ist, wo auf der darunter liegenden Ebene Pixelmaterial vorhanden ist. Stelle die Füllmethode auf Multiplizieren und die Deckkraft auf 50% ein. Wende dann den Filter > Weichzeichnungsfilter > Gaußscher Weichzeichner an, um das Bild etwas sanfter umzusetzen.

Ein kleiner Schatten unterhalb der Form (einfach auf einer eigenen Ebene mit dem Pinsel und schwarzer Farbe einzeichnen) sowie die Anwendung der Einstellungsebene > Tonwertkorrektur mit einem klick auf den Button Auto sorgt für das finale Ergebnis.

Das Ergebnis mit Schatteneffekt

Low Poly-Hintergrund-Generator

Wer auf Knopfdruck einen passenden Hintergrund im Low Poly-Stil generieren möchte, der schaut sich das Online-Tool Trianglify an. Ein Button sorgt da für einen zufällig erzeugten Hintergrund. Dieser kann dann als SVG-Datei herunter geladen werden. Über Show Controls werden einige Regler aufgerufen, um die Größe der Zellen zu steuern oder Rauschen hinzuzufügen.

Hintergrundgenerator