Egal ob man ein eigenes Business starten, einfach nur Karriere machen oder im eigenen Unternehmens aufsteigen will, Eigenmarketing bzw. das persönliche Markenimage ist von immer wichtigeren Bedeutung und wird allgemein immer noch zu häufig unterschätzt. Jeder von uns hinterlässt digitale Spuren. »Man Kann nicht nicht kommunizieren«, wie Paul Watzlawick sagt. Selbst wenn wir uns nicht um unser digitales Profil kümmern und versuchen Bilder und Informationen über uns aus dem Netz zu streichen, kommunizieren wir damit. Unsere wahre Identität korreliert mit unserem »digitalen Ich«. Es geht schon längst nicht mehr um die Frage, ob man selbst eine Marke darstellt und deswegen betreuen muss – es geht darum, diese Marke richtig zu interpretieren und sie der persönlichen Ausrichtung entsprechend zu optimieren.

Wie beim Marketing für Organisationen und Unternehmen, muss man sich puncto Eigenmarketing um eindeutige Botschaften, möglichst einzigartige Sprache, authentische Ausdrucksweise und stimmige Handlungen kümmern … und sich zumindest einmal darüber Gedanken zu machen und sich selbst etwas zu reflektieren schadet niemandem. Die Arbeitsplatzexpertin Lindsey Pollack schreibt in ihrem Buch »Becoming the Boss« dazu: »Man muss seinen Leumund kennen, um sich in individuell gewünschte Richtung weiterentwickeln zu können, um dann in Zukunft wiederum mit den Fähigkeiten in Verbindung gebracht werden zu können, für die man bekannt sein möchte.«

Wir möchten euch dabei unterstützen, eure »Eigenmarke« kennenzulernen und richtig zu werten, damit ihr das digitale Bild von euch bzw. eure »persönliche Marke« möglichst authentisch, bewusst entwickeln und sinnvoll vorantreiben könnt.


Versucht eure »Eigenmarke« zu identifizieren 

Self-employed woman working with sewing machine in studio
Self-employed woman working with sewing machine in studio by Diego Cervo

 

1. Beginnt mit einer SWOT-Analyse (Stärke-Schwächen-Analyse)

Jedes bessere Business-Modell beruht auf einer gut durchdachten und ernsthaft umgesetzten SWOT-Analyse. Darin werden Stärken, Schwächen, Chancen, Konkurrenzsituation und mögliche Gefahren beleuchtet. Diese Art von Analyse ist aber nicht nur Unternehmen vorbehalten. Nehmt euch ruhig mal etwas Zeit und denkt gründlich über eure persönlichen und beruflichen Stärken und Schwächen nach. Ihr werdet so oder so in jedem besseren Bewerbungsgespräch danach gefragt. Notiert ehrlich und stichpunktartig, was euch selbst zu jedem Ausgangspunkt einfällt, umkreist die Charaktereigenschaften, die ihr weiterentwickeln möchtet und unterstreicht die Worte und Eigenheiten, die ihr weniger schön findet, mit denen ihr notgedrungen umgehen oder gegen die ihr angehen wollt.

Jetzt eruiert ihr persönliche Entwicklungsmöglichkeiten und denkt dazu einfach an mögliche, realistisch anzugehende Projekte, innerhalb der ihr gewollte Charakterzüge sichtbar zur Geltung bringen könnt. Dann haltet euch noch einmal notierte Schwächen vor Augen und frag euch: Gehört mangelnde Geduld und Ausdauer vielleicht zu euren Schwächen? Findet heraus, mit welchen Projekten oder Präsentationen ihr euch selbst testen und hinterfragen könnt.

2. Bittet gute Kollegen um Feedback

Sich Feedback einzuholen und damit umzugehen, ist sehr wichtig. Wenn‘s um das Eigenmarketing geht, seid ihr auf Feedback und konstruktive Kritik von bestehenden und alten Kollegen, Führungsverantwortlichen, Beratern, Freunden und von eurer Familie angewiesen. Hört niemals nur auf eine einzelne Person und nehmt euch notwendige Zeit. Setzt euch mit der- oder demjenigen auf einen Kaffee zusammen oder nehmt über LinkedIn, Xing etc. Kontakt auf. Wenn ihr das Feedback in Listen übersichtlich haltet, werdet ihr schnell erkennen, wo sich Potentiale, Stärken und Schwächen auftun. Notiert euch die Adjektive/Eigenschaften, die sie verwenden, wenn sie euch beschreiben. Fordert sie ganz deutlich dazu auf, ehrlich zu sein – selbst wenn‘s etwas weh tut – persönlich könnt ihr davon schlussendlich nur profitieren.

3. Überprüft euren »digitalen Fingerabdruck«

Der einfachste Weg, euren »digitalen Fingerabdruck« zu prüfen, besteht darin, sich einfach selbst zu googlen – hat ja jeder schon mal gemacht. Versucht den Verlauf verschiedener Nennungen einzuordnen. Mit welchen Websites ist euer Name verlinkt oder irgendwie verbunden? Welche Bilder werden ganz vorne angezeigt? Auf welchen sozialen Plattformen erscheint euer Name? Oder seid ihr etwa nirgendwo sichtbar ? Eine Faustregel, die jedem bekannt sein sollte: Das Netz vergisst nicht und ihr bewegt euch dort nicht im anonymen Raum, »löscht« also erstmal alles, was eure Mutter, euer Kollege oder euer Boss nicht sehen soll und, falls notwendig, entfernt Tags.


Optimiert euer Markenbild

Pensive businessman sitting in front of laptop in office
Pensive businessman sitting in front of laptop in office by Pressmaster

 

1. Entwicklt ein persönliches Leitbild

Wie würdet ihr euer Denken und Können in 140 Zeichen oder weniger zusammenfassen? Was macht euch als Person und »Marke« aus? Bestimmt zwei oder drei Schlüsseleigenschaften, integriert geleistete Aufgaben und entwickelt daraus ein persönliches Leitbild. Dieses Leitbild wird euch als Kompass für eine berufliche Laufbahn dienen und ihr werdet kommende Vorstellungs- und Verkaufsgespräche damit viel leichter und ohne Stottern führen können.

2. Macht eure »Online-Identität« kenntlich 

Euren Domain-Namen könnt ganz einfach mit Werkzeugen wie Instant Domain Search anmelden und auffindbar machen. Auch wenn ihr keine eigene Website oder keinen eigenen Blog betreuen wollt, macht es Sinn, einen Namen und die Domain im Netz zu sichern, weil man mögliche Konkurrenz und Parallelnennungen ausschaltet und die Domain später immer noch nutzen kann. Macht eure Identität auf allen Social Sites und beruflichen Online-Plattformen wie Twitter, Facebook und LinkedIn auffindbar. Eine möglichst durchgängige Online-Identität, selber Lebenslauf, ähnliche Interessen etc. über alle Plattformen hinweg erleichtert die Wahrnehmung für Kollegen, Bekannte und potentielle Kunden. Ihr werdet so gesehen, wie ihr euch präsentiert oder eben gar nicht oder falsch. Egal von wo aus man euch kontaktiert oder verlinkt, sorgt dafür, dass ihr gleichermaßen professionell wahrgenommen werden könnt. Informationen, Vorträge und Interessen könnt ihr jetzt ganz einfach über alle Kanäle hinweg oder entsprechend einem bestimmten Kanal veröffentlichen.

3. Networking. Networking. Networking.

Eine neu aufgestellte »Eigenmarke« testet man am besten im Gespräch mit neuen Bekanntschaften. Sucht Unternehmenskantinen, After-Work-Partys, Firmenschulungen oder Betriebsversammlungen auf, um dort neue »Markenstandards« und eure persönliche Neuaufstellung zu testen. Eine »Markeneinführung« braucht natürlich auch immer etwas Zeit, geht in Schritten vor. Traut euch auch in Zukunft, Feedback von Mitwissern einzuholen. Verbessert euch, bildet euch weiter und entwickelt eure Marke. Vernetzt euch immer neu, verpasst keine Möglichkeit dazu und geht ruhig auch aktiv auf interessante Persönlichkeiten zu.

Eine gut geführte persönliche Marke ist die Basis beruflichen Erfolgs. Sobald die grundlegenden Schritte gegangen sind, nehmt euch Zeit für eine tägliche, wöchentliche oder monatliche Überprüfung. Nehmt ruhige mal eine Neubewertung eures SWOTs vor, nehmt euch Zeit und reflektiert euer »digitales Ich«. Und vergesst nicht: Eure persönliche Marke ist ein sich entwickelnder Prozess, nichts dass man einmal aufstellt und dann einfach herumliegen lässt.

Header: Side view of woman using digital tablet at a cafe by Tyler Olson