In unserer monatlichen Reihe “Neue Heimat New York City” stellen wir deutsche Kreative, Künstler und Unternehmer vor. Den Anfang macht Svenja Knoedler, gebürtig in Baden-Württemberg. Sie studierte Visuelle Kommunikation an der Fachhochschule Düsseldorf und landete vor 5 Jahren in New York. Hier erzählt sie uns von ihren Erlebnissen als Grafikdesigner im Big Apple.

Wie kam es dazu, dass Du Designerin wurdest?

Ich bin in einem kleinen 4000 Einwohner großen Ort bei Ludwigsburg aufgewachsen. Nach einem Jahr Jobben und Reisen in Australien, Malaysia und Thailand habe ich dann schließlich in Düsseldorf Grafikdesign studiert. Nach meinem ersten New York-Aufenthalt und vor meinem Umzug dorthin, habe ich ein halbes Jahr bei Leonhardt & Kern in Stuttgart gearbeitet und habe etwas “Werbeluft” geschnuppert. Die Abläufe in einer größeren Agentur finde ich spannend, letztendlich bevorzuge ich aber die direkte Kommunikation meines jetzigen, eher kleinen Büros.

Warum bist Du nach NYC gekommen und seit wann bist Du hier?

Das erste Mal kam ich nach NYC, um ein Praktikum in einem englischsprachigen Land machen zu können. Ich habe mich bei Pentagram in London, bei Frost Design in Sydney und bei Base Design in New York beworben, in New York hats geklappt. Also kam ich hierher. Während meines Praktikums im Jahre 2007 habe ich dann übrigens meinen späteren Mann kennengelernt. Nach eineinhalb Jahren Fernbeziehung und vielen Flügen hin und her hatten wir beide kein Geld und keinen Urlaub mehr. Außerdem ist New York natürlich eine fantastische und sehr spannende Stadt, deshalb bin ich sehr gerne hierher gezogen. Viele Leute, die ich in New York kennenlernte und die nur für ein halbes Jahr oder Jahr hier waren, wären gerne geblieben. Nur leider ist es nicht einfach, ein notwendiges Visum zu erhalten.

Wie hast Du deinen ersten Job in New York bekommen?

Ich habe mich blind bei allen möglichen Grafikdesign-Büros in New York beworben und hatte in relativ kurzer Zeit so rund um die 20 Vorstellungsgespräche, worüber ich mich natürlich sehr freute. Allerdings wusste ich damals noch nicht, dass es hier sehr üblich ist, Bewerber einfach nur mal so zum Kennenlernen und zum allgemeinen Netzwerken zu sich einzuladen – selbst, wenn gerade gar keine Stelle zur Verfügung steht. Es hat sich dann also eine gute Weile gar nichts getan. Meinen ersten Freelance-Job bekam ich über eine völlig unerwartete Empfehlung. Ein Creative Director bei Ogilvy, bei dem ich ein Vorstellungsgespräch wahrnahm, hat mich wiederum einem Freund empfohlen und so kam es zu meinem ersten Job für ein Büro, bei dem ich mich gar nicht beworben hatte, das war bei Opto Design. Kontakte sind immer wichtig, ich habe allerdings das Gefühl, dass diese in New York noch wichtiger sind als in Deutschland. Nach meinem ersten Job habe ich als Freelancer für große und kleine Agenturen in New York und für sehr unterschiedliche Kunden wie IBM, Kiehl’s, The GAP, Ford Foundation, Clark’s Shoes und Trinity School gearbeitet.

In der japanischen Bücherei Kinokuniya am Bryan Park

Was machst Du aktuell?

Ich bin mit meinem “büro svenja” selbständig. Ich habe neben der Freelancer-Tätigkeit für andere Agenturen ja immer schon ein paar eigene Kunden betreut. Mein erster Kunde, damals noch in Deutschland, ist eine Galerie names Kimmerich. Dennis, der Inhaber, ist witzigerweise circa einen Monat nach mir mit seiner Galerie nach New York gezogen und benötigte eine komplett neue Identity. Dann wiederum fragte eine deutsche Galerie einen Katalog über Tom Wesselmann an, dessen Wohnsitz ebenfalls in New York liegt. Deren Projektmanagerin verbrachte zu der Zeit gerade ein halbes Jahr in New York, also bat es sich direkt an, den Katalog gemeinsam auf die Beine zu stellen. Ich hatte zuerst nur deutsche Kunden in New York.

Meinen ersten eigenen amerikanischen Kunden habe ich per Zufall über eine Anzeige auf Freelancers Union entdeckt, das war aber eher reiner Zufall und großes Glück. Es ging um die Gestaltung eines Logos für eine im Nonprofit-Sektor tätige selbstständige Beraterin. Es war zwar ein relative kleines Low-Budget-Projekt, das wiederum war dann aber der Ausgangspunkt zu vielen meiner anderen größeren Aufträgen. So hat mich dieser Kunde wiederum dem Sabin Vaccine Institute empfohlen. Von da an ging es gut weiter, eine Empfehlung folgte der nächsten. Mittlerweile zählen unter anderem UNICEF, The World Bank, die WHO, World Food Programme, Global Partnership for Education, Chris Brown’s Foundation und viele andere Nonprofits zu meinen Kunden. Mein Schwerpunkt liegt im Moment also auf Kultur- und Nonprofit-Kunden, allerdings arbeite ich auch sehr gerne für Kunden aus anderen Branchen arbeite. Meine Arbeit als Gestalterin in New York macht mir bis heute große Freude und ich bin sehr glücklich und dankbar darüber, was heute aus „büro svenja“ geworden ist. Alles läuft gut weiter und ich darf positiv in die Zukunft blicken.

Auf dem Weg zum Meeting 

Was ist das Besondere an Nonprofit-Kunden?

Unsere Welt versinkt ja fast in Problemen und Krisen. Würde ich für einen Corporate Kunden arbeiten, könnte ich hier nicht viel Positives beitragen. Gemeinsam mit Nonprofit-Kunden hoffe ich zumindest einen klitzekleinen Teil zur Verbesserung riesiger Probleme beitragen zu können. Ich helfe dabei, vielschichtige Probleme und Lösungsansätze zu kommunizieren. Ohne das jetzt verallgemeinern zu wollen, meiner persönlichen Erfahrung nach arbeiten in Nonprofits aber auch sehr sympathische Leute. Die Arbeit mit diesen Menschen für Ziele, die oft sehr hoch gesteckt und sich an menschlichen Werten und Normen orientieren, macht viel Freude, die oft weit über das Monetäre hinaus geht.

Außerdem ist es interessant, für unterschiedlichste Kunden arbeiten zu dürfen – langweilig wird es mir hier nie! Obwohl ich mich individuellen Kundenanforderungen anpasse und maßgeschneiderte Lösungen erarbeite, die auf den Punkt passen, sammle ich in jedem Bereich immer auch neue Erfahrungen, wovon wiederum andere Kunden profitieren. Kurz gesagt, ich mag meine Selbständigkeit sehr.

Zu Besuch bei ehemaligen Kollegen des Büros onethread.com 

Wie sieht Dein Alltag aus?

Ich stehe zur Zeit um 5 Uhr auf, da unser 8-Monate alter Sohn Leo dann bereits in den Tag starten möchte. Wir verbringen den Morgen zusammen, bis dann schließlich gegen 10.00 Uhr unser Babysitter kommt. Nach Leos Geburt habe ich mir ein großzügiges Büro im Dachgeschoss unseres Hauses eingerichtet und habe Brooklyn Navy Yard verlassen, das ständige Pendeln hat zu viel Zeit gekostet.

Nachdem ich die ersten E-Mails beantwortet habe, konzentriere ich mich auf die eigentliche Arbeit als Designerin. Ich arbeite viel mit Listen, damit all die Deadlines und Einzelaufgaben auch erledigt werden. Ich halte Termine grundsätzlich immer ein, was meine Kunden auch zu schätzen wissen.

Natürlich habe ich auch alle möglichen Telefonate und Meetings mit Kunden und Kollegen abzuhalten, die ich möglichst auf die Nachmittage lege. Zu Besprechungen treffe ich mich gerne zum Lunch oder in Cafes, einfach der guten Atmosphäre wegen und, um auch mal aus der Arbeitsumgebung rauszukommen. Präsentationen halte ich natürlich im Büro ab. Mit Kunden die weiter weg sind, wie zum Beispiel die WHO in Genf, oder das Museum Ulm, skype ich zudem regelmäßig.

Svenja in Ihrem Studio bei der Arbeit 

Was macht für Dich NY aus und was gefällt Dir an diesem Lifestyle?

Die Vielfalt, sowohl die unterschiedlichen und sehr kommunikativen Menschen als auch die vielen kulturellen Einflüsse, der Wandel und die Bewegung.

Es gibt hier immer etwas Neues zu entdecken, man kann in 20 Minuten quasi von einem Kultureinfluss wie Upper East Side in einen komplett neuen eintauchen, z.B. Chinatown. Dazu gehört auch die Möglichkeit, sämtliche kulinarischen Köstlichkeiten genießen zu dürfen. Außerdem kommt hier irgendwann fast jeder her. In NY treffe ich ganz automatisch auf Freunde oder Kunden aus Deutschland und den USA.

Kaffee und Schokolade bei Stumptown auf der W 29th Street

Was sind Deine Lieblingsplätze in NYC?

Ich liebe Red Hook. Dort war ich immer Joggen, als wir noch in Cobble Hill, Brooklyn wohnten. Sich einen Key Lime Pie bei Steve’s oder einen Kaffee auf der Van Brunt Street zu genehmigen und vom Pier aus die Freiheitsstatue anzuschauen oder eines der vielen Künstlerstudios zu besuchen, macht für mich einen gelungenen Sonntagnachmittag aus. Man kann auch quasi für lau ein Kanu mieten und auf dem East River rumpaddeln.

Als ich noch mein Büro in DUMBO hatte, habe ich auch diese Gegend sehr genossen. Dumbo heißt Bewegung, dort ist überall Kreativität zu spüren. Eine Liste mit Lieblingsplätzen würde aber unendlich lang werden. Es gibt so viele tolle Plätze in New York, die man am besten auf eigene Faust entdeckt! Sich auf den Union Square zu setzen und einfach nur Leute zu beobachten, auf der High Line zu schlendern oder eine Tour durch die Galerien in Chelsea zu unternehmen, darf man in jedem Fall nicht auslassen.

Fehlt Dir Deutschland manchmal?

Meine deutschen Freunde und meine Familie fehlen mir manchmal sehr. Ein Leben ohne Skype will ich mir gar nicht mehr vorstellen. Außerdem vermisse ich die schwäbischen Brezeln. Meine Familie reist regelmäßig mit einem riesigen Brezelkoffer aus Stuttgart an!

Büro Svenja
http://web.burosvenja.com/

©Fotos: Philippe Intraligi