Shutterstock macht die Arbeit spannender Kreativer bekannt und beleuchtet neue Wege etablierter Unternehmen. In Hamburg haben wir Johannes Schewe getroffen. Zusammen mit Kilian Green hat er Mellow Boards gegründet – der erste elektrische Antrieb, der unter jedes Skateboard passt. Johannes berichtet uns, was das Startup erfolgreich macht und wie sein Team den »Endless Ride« auf die Straße bringt.

Johannes, was ist ein Mellow Board?

Mellow verbindet das Fahrgefühl vom Surfen und Snowboarden und bringt dieses in Worten schwer zu beschreibende Gefühl zum Rollen. Unser elektrisch getriebenes Skateboard stellt jedem Brettsport-Enthusiasten den »Endless Ride« zur Verfügung. Und wer die erste Kurve auf dem Brett gezogen hat, kommt auch nie wieder davon los. Um das Board herum steht dem Fahrer ein ganzes Ökosystem zur Verfügung, das durch die Mellow App zum Leben erweckt wird. Unser Board ist die Last-Mile Lösung „Made in Germany“ und das Denken über urbane Fortbewegung werden wir damit auch kräftig verändern.


Was sind die Hard Facts? Was kann euer Board?

Einzigartig ist unser wechselbarer Skateboard-Antrieb. Die zwei In-Wheel-Motoren packen bis zu 40 km/h Topspeed. Der Akkupack wiegt nur 750 Gramm, passt in eine große Hosentasche und kann spielend gewechselt werden. Eine Ladung macht 15 km Reichweite. Danach wechselt man den Akku oder lädt ihn auf, das dauert dann auch nur 45 Minuten. Das Board ist absolut robust und alltagstauglich. Der solide Magnesium-Rahmen ist aus einem Stück, das Brett ist wasser- und staubdicht und verfügt über ein duales Bremssystem. Das Board wurde ausreichend getestet und verfügt über alle notwendigen Prüfsiegel, man darf es also auch im Flugzeug mitnehmen.

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Das hört sich alles ziemlich krass an und irgendwie gefährlich. Wie steuer ich die Bodenrakete?

Das Mellow Board ist auch was für Leute, die noch nie auf einem Skateboard gestanden sind. Man startet dann einfach im Anfängermodus. Und mit der Crossbereifung packt man damit auch Kopfsteinpflaster. Über die Handsteuerung und den eigens entwickelten »One Button Device« hält man die Energie im Griff. Mit Schieben gibt man Gas, Ziehen heißt Bremsen. Wenn man mal vom Brett fallen sollte, erkennt das Brett das und stoppt. Der geübte Fahrer steuert das Board ohne Mühe über Hindernisse. Mellow begleitet den Fahranfänger bis zum Extremsportler.

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Egal ob Fahranfänger oder Pro. Die Fahrmodi werden über die App oder die Remote gewählt. Dem Fahrer stehen 4 Fahrmodi zur Verfügung: Rookie für Anfänger, Eco, Pro und Endless Ride. Mit der App macht man quasi den Führerschein für‘s Bord. Technischen Support gibt‘s auch über die App und natürlich erhält man Zugang zur Mellow Community, das macht richtig Laune und man trifft damit viele Gleichgesinnte. Und sollte der Saft für´s Smartphone flöten gehen, kann man das einfach über den Akku aufladen. Sogar einen Rechner kann man mit dem Akku betreiben. Kleine Info für die Pros – unser Mellow Board ist ollie-fähig, taugt für Sprünge und die Treppe runter geht es auch. Testet unser Board, ihr werdet garantiert nicht enttäuscht.

Wie kommt man eigentlich darauf, elektrisch getriebene Skateboards auf den Markt zu bringen?

2010, während dem Studium bin ich viel herumgereist und habe mir mein Geld mit allen möglichen Nebenjobs verdient. Ich wollte einfach nur viel Zeit für´s Surfen und Snowboarden haben. Bei dem ganzen Herumreisen ist mir dann irgendwann ein Skateboard mit Benzinmotor aufgekommen …  für mich war das die ideale Verbindung zwischen den einzelnen Verkehrsmitteln. Man packt das Teil einfach unter den Arm und cruist zum nächsten Spot oder zum Flughafen. Ich hatte dann erstmals diese Idee, ein elektrogetriebenes Skateboard entwickeln zu wollen und hab mich mit dem Gedanken ganz toll gefühlt; bis ich entdeckt habe, dass es so ein Skateboard schon längst gab. Allerdings war das chinesische Modell von so schlechter Qualität, dass ich das nicht wirklich ernst nehmen konnte. So ging das Ganze dann los …

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Ich wollte in meinem Leben immer was mit richtig viel Leidenschaft machen. Das Studium sehe ich da unterstützend als große Lehre des Lebens. Ich hab damals den Spagat zwischen Politik und BWL gewagt, was sich heute aber auszahlt. Politik habe ich später gegen Sportwissenschaft getauscht und das war eine gute Entscheidung. Ich glaube, dass viel von dem was BWLer als Wissenschaft, Erfolgsmodell oder Strategie ausweisen am Ende auf Leidenschaft und immer auf persönlichem Einsatz beruht. Der Rest ist oft einfach nur gesunder Menschenverstand.

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Was macht eure Marke und das Mellow Board einzigartig?

Unser Board ist absolut stabil und alltagstauglich. Qualität »Made in Germany« eben. Der Akku explodiert nicht, das Board kann man hinknallen und in´s Wasser werfen und das läuft trotzdem. Wir haben sämtliches Geld und Wissen dafür benutzt, etwas zu tun, das uns wirklich antreibt und richtig Freude macht. Mellow ist eine echte Sportmarke – wir sind kein „nerdiges“ Software- oder Technik-Startup. Von Betaversionen halten wir nichts. Das Brett fährt und macht Laune. Wir geben keine halbgaren Testbretter raus und bei uns muss sich niemand mit irgendwelchen unfertigen Entwicklungen abkämpfen. Das Ergebnis: Purer Fahrspaß!

Andere elektrisch getriebene Boards sind einfach nicht vergleichbar. Die machen oft lediglich 5-10 km/h und die Achse steht starr. Das Wippen des Bretts ist für ein Skateboard aber elementar, sonst geht die Laune futsch. Das Mellow Board unterstützt lediglich beim Fahren und beim Bremsen wird die gewonnene Energie rückgeführt. Qualitativ und funktional sind wir ganz weit vorne unterwegs.

Ich glaube, viele Unternehmen haben in den letzten Jahren grundlegend wichtige Dinge vergessen … es geht doch schlussendlich um das Produkt und nicht um schiere Unternehmensgröße, nicht um Performance-Linien und nicht um Marktmacht. Das Produkt muss halten und Freude machen. Konsumenten sind keine Testobjekte, merkt euch das! Unser Brett kann man im besten Fall ein ganzes Leben lang fahren können oder sogar vererben. Eine heute „moderne Denke“ ist wirklich guten Produkten zuwider. Um das Mellow Board herum steht also auch ein komplettes Ökosystem, das einen je nach Fahrlevel unterstützt. Mit der Mellow App stellen wir auch gleich einen direkten Service-Zugang und die Community drumherum zur Verfügung.

Ist »Made in Germany« heute noch relevant?

Deutsche Qualität und Denke ist richtig was wert, das wird zusehends unterschätzt. Es erwartet ja bald keiner mehr »beste Qualität«. Aber genau das ist unser Anspruch. Das Mellow-Board wird deswegen quasi komplett „Made in Germany“ gefertigt. Der Frame ist aus Aluminium, das aus den Dolomiten kommt und in Deutschland verarbeitet wird. Das Board wird komplett in Deutschland aufgebaut, lediglich die Zellen für den Akku kommen aus China, werden dann aber hier vergoldet. Wir suchen nach Möglichkeiten, alles aus dem Standort Deutschland rauszuholen und das macht am Ende auch richtig Sinn. Wir kosten alles aus, was eben möglich ist und gehen dabei viel weiter als mancher Autobauer, der sich eine deutsche Produktion auf die Fahnen schreibt.

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Am Ende spricht unser Produkt für uns, nicht irgendeine Aktie oder ein spleeniges Investmodell. Unser Wissen stellen wir mittlerweile auch großen Autoherstellern zur Verfügung, die sich für unsere App und einzelne Komponenten interessieren. Ein Hersteller motorisierter Surfboards interessiert sich für die Plastikschalen unseres Remotes, die Handsteuerung ist einfach sehr gut verbaut. Es bilden sich also spannende Schnittstellen für uns, die Entwicklungs-Erfahrung wächst und damit ergeben sich dann wiederum völlig neue Möglichkeiten.

Wie kam es zur Firmengründung und woher kommt das Geld?

Mellow habe ich zusammen mit Kilian Green gegründet. Unterstützt werden wir von einem 12-köpfigen Team aus hungrigen jungen Profis, die eine Menge Ehrgeiz und Kreativität einbringen. Ich selbst bin eingefleischter Brettsport-Enthusiast und Sportökonom mit heute mehr als 15 Jahren sportlicher und beruflicher Erfahrung in der Brettsport-Branche. Kilian, Mellow Mitgründer und Mechatronik-Ingenieur aus »Nerdistan« ist nicht nur leidenschaftlicher Surfer, sondern auch ein ehemaliger BMW Elektroauto Ingenieur. Zusammen mit Mellow und seinem Know-how gestaltet er die Zukunft urbaner Fortbewegung.

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Johannes Schewe und Kilian Green

Das Geld haben wir über unseren privaten Einsatz und über Kickstarter zusammengetragen. Die Leute da draußen glauben an uns, wir konnten über Kickstarter 300.000 Euro sammeln. Nach der zweiten erfolgreichen Finanzierungsrunde starten wir jetzt mit neuem Rückenwind in‘s Jahr. Unser Entwicklungs- und Produktionspartner TQ Systems investiert 1,5 Millionen Euro und sichert so die Finanzierung von technischer Seite bis zur Serienreife.

TQ Systems ist ein führender deutscher Elektronikdienstleister, der im Bereich Antriebstechnik, Automotive und in der Luft- und Raumfahrt für höchste Qualität steht. Die Produktionsstraße aufzubauen ist nicht ohne, dafür muss man richtig große Maschinen, Stanzen und Formen zum Einsatz bringen. Wir sind also sehr froh, die richtigen Partner mit uns auf dem Board zu haben. Außerdem können wir auf sehr viele Vorbestellungen bauen. Ich kann dazu nur sagen: Den guten Ideen folgt das Kapital. Und wir übertreiben es nicht mit Erfolgsrechnungen und Prognosen, wir agieren sehr bodenständig und bringen das Brett so richtig gut zum Rollen. 

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Was ist die Zukunft urbaner Fortbewegung? 

Dabei geht es um individuelle Mobilität, die nicht nur umweltfreundlich und kostengünstig sein sollte, sondern auch noch Spaß machen kann. Einmann-Transportgeräte, öffentliche Verkehrsmittel und Car-Sharing-Modelle sind die Zukunft – einzelne Verkehrsmittel lassen sich dann über Technik wie unsere App verbinden. E-Bikes, Segways und Pedelecs kennt ja heute jeder. In Großstädten wird der Nahverkehr weiter ausgebaut und die mit Autos vollgepackten Straßen kommen mittlerweile immer mehr zum Stillstand. Der Kosten-Nutzen-Aspekt stimmt beim Automobil leider immer weniger und wenn man mit dem Auto im Stau steht erst recht nicht. Rechne mal die Kosten auf den Kilometer herunter … genau hier schlägt das Mellow Board ein.

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Lohner-Porsche haben den Direktantrieb erfunden. Wir haben das Ganze auf Handbreite herunter skaliert. Tesla Motors kennt heute auch jeder, im Silicon Valley kenn man uns auch schon ganz gut, dort bezeichnet man unser Gefährt bereits als »The Small Tesla from Germany«. Unser Brett arbeitet mit demselben Antrieb wie ein Tesla, der Motor ist zudem leicht, stabil, bezahlbar und verbindet so einzelne Verkehrsmittel auf ideale Weise. Stell dir einfach mal vor, Stuttgart wäre autofrei – wie viel Geld der einzelne Bürger dann auf einmal wieder in der Tasche hätte und wie viel Platz da frei werden würde! Ganz nebenbei würde sich die Stuttgarter Feinstaubwolke von ganz alleine im Fahrtwind und einem Lächeln auflösen.

Aber mir ist schon klar, dass die Bürger und die Politik solche Gedanken in Deutschland nicht unterstützen wollen und sowas bis jetzt noch viel zu oft als »wirtschaftsfeindlich« abtun. In Singapur und Hongkong ist man da schon weiter, Bewegung und Veränderung ist überall. Das Auto als Statussymbol wird auf lange Sicht abgelöst. Und sobald es autofreie Straßen für Radfahrer, Pedelecs und E-Bikes gibt, wird Mellow ein gekonntes Überholmanöver einlegen. Bis dahin macht unser Board einfach nur unglaublich viel Spaß!


Mit dem Erfolg wird so ein Traum doch auch nur wieder Arbeit?

Klar, das ist ein Jojo-Effekt. Um einen Traum wie unseren zu realisieren, muss man die Füße unbedingt auf dem Boden halten. Unendlich viel Freude und Spaß wechseln natürlich mit Frust und Anstrengung, dauerhappy will und kann doch auch niemand sein.

Was richtig nervt und anstrengend ist, ist die notwendigen Zertifizierungen und Abnahmen hinzubekommen. Das Mellow Board ist als Sportgerät eingetragen, um es im Flugzeug in die USA zu bekommen, braucht der Akku einen extra Chip. Die ganzen Tests und Abnahmen gehen in‘s Geld und kosten Zeit. Da können wir später mal ein Sonderinterview drüber führen, das ist nicht ohne. Aber wir bekommen alles hin und der Adrenalinpegel steigt im Sekundentakt. Im September geht dann die erste Auslieferung los!

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Uns alle bei Mellow rettet ein richtig gutes Team. Ich hab Freunde, Freaks und Leute, die was können um mich. Klar, es kann auch mal sein, dass man völlig fertig ist, sich an einen dicken Baum lehnen muss und da neue Kraft ziehen muss. Stress kann man kompensieren und man muss auch damit umgehen lernen. Aber ganz sicher, am Ende siegt die Begeisterung für die Sache und ein Produkt, dass es so nur einmal gibt. Wir agieren immer noch emotional getrieben, das ist der Motor auf den wir uns verlassen können. Du testest nachher einfach das Board, dann weißt du, was ich meine.

Wieviel kostet das Board und wo bekomme ich es?

Ein komplettes Board kostet momentan noch 1.299,- Euro. Zum Markteintritt werden es dann 1699,- Euro sein. Sämtliche Komponenten können hier über diesen Link bezogen werden. Wer früher bestellt, bekommt das Board auch früher ausgeliefert. Testen kann man unser Board in Hamburg, München, Berlin, Dresden oder Köln – wann immer man das Glück hat, jemand aus dem Mellow Team zu treffen. Ab April geht die offizielle Test-Ride-Tour los. Erster Stop ist dann Ende April der Trick 17 Shop in Trier. Genauere Daten gibt‘s auf Facebook, Instagram oder über unseren Newsletter, auf den man sich über die Homepage eintragen kann. Auf Vimeo halten wir übrigens noch eine Menge guter Filme für alle Interessierten zur Verfügung. 

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Wie geht es jetzt weiter? Was ist die große Vision für die Zukunft?

Keep Riding. Stay Mellow.

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Mellow Boards GmbH
Waterloohain 3
22769 Hamburg

Germany

 

Um so richtig in‘s Skateboard-Feeling eintauchen zu können, hier die für euch ausgewählte Kollektion Skateboarding »

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