komma ist das Magazin der Fakultät für Gestaltung der Hochschule Mannheim. Jedes Semester präsentiert ein neues Redaktionsteam die Highlights aus den Bereichen DTP, zeitbasierte Medien, Illustration, Fotografie und Designtheorie. Im Shutterstock Blog berichtet die komma-Redaktion in regelmäßigen Abständen über aktuelle Arbeitsschritte und veröffentlicht Interviews und Hintergrundgeschichten zur neuen Ausgabe. 

Für das heutige Thema muss ich ganz, ganz tief in meinem Gedächtnis wühlen, weil ich so einiges aus dieser zum Teil äußerst traumatischen, weit zurückliegenden Zeit in der dunkelsten Ecke meines Hinterstübchens in einer sehr kleinen Schublade verstaut habe. Das ist quasi Alles schon längst zu den Akten gelegt worden, bereit zum Schreddern. Denn mittlerweile haben wir die Ausgabe schon reingezeichnet und in Druck gegeben. Das Folgende ist also eher ein Abriss der ersten Hälfte der Gestaltungsphase als eine dokumentarische Wiedergabe.

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Es geht dieses Mal endlich um Gestaltung. Und zwar darum, wie alles begann. Wie der ein oder andere sich vielleicht erinnert, lautet das Thema dieser Ausgabe „Kollision“. Das haben wir nach unendlichen Diskussionen gewählt, da jeder andere Vorschlag nie genügend Einigkeit hervorbringen konnte. Wir haben sozusagen die Uneinigkeit zum Thema gemacht, weil die Meinungen zum Thema „Gestaltung“ innerhalb der Redaktion tagtäglich auf einander geknallt sind. Manchmal kamen wir alle mit leichten Prellungen davon, aber es gab auch Tage, an denen ich mir dachte: „Wenn ich jetzt Chefredakteur wäre, dann würde ich mich heute Abend in den Schlaf weinen.“ Weil wir einfach nicht vorankamen! Weil zum zweitausendsten Mal diskutiert werden musste, ob es sinnvoll ist, dass beispielsweise eine Pagina immer an der gleichen Stelle sitzt, oder ob man die ruhig wild auf der Seite rumspringen lassen kann.

Ich selbst bin ja ein großer Fan davon, dass man Seitenzahlen immer gleich findet, aber ich saß teilweise wie gelähmt zwischen den zwei Lagern und sah mich außer Stande, irgendetwas zu sagen. Aus Angst, dass jedes weitere Wort zu einer atomaren Katastrophe führen könnte. Wir sind uns nicht an die Gurgel gegangen oder so, obwohl eine kleine Schlägerei vielleicht ein wenig Entspannung in die Sache hätte bringen können.

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Das klingt jetzt alles ganz schrecklich und furchtbar, und obwohl es das auch irgendwie war, war es auf eine bizarre Weise auch gut. Man könnte es mit einer wirklich anstrengenden Geburt mit 32 Stunden Presswehen und weiteren 48 Stunden Entbindung vergleichen, nach keiner mehr die Kraft hat, sich noch über irgendwas aufzuregen.

Und am Ende ist man trotzdem überglücklich, weil ein zauberhaftes kleines Baby dabei rausgekommen ist. Wobei es in unserem Fall nur ein halbes Baby war. Nämlich der Teil, in dem wir die Arbeiten unserer Kommilitonen vorstellen. Der andere Teil, der Redaktionelle, war bis dahin zwar geplant, aber das war’s dann auch schon. Alles, was wir über ihn wussten, war: „Der steht uns auch noch bevor. Und er soll ganz anders werden!“ Ein furchterregender Gedanke. Aber fangen wir so weit vorne wie möglich an.

Ganz am Anfang haben wir viele bunte Moodboards mit Gestaltungsanregungen zum Thema und ganz allgemein gemacht. Die dienten in vergangenen komma-Ausgaben, wie das Moodboards nun mal so tun, als Gerüst, Ausgangspunkt oder Inspiration, um nicht bei null anfangen zu müssen. Sie waren eine Gelegenheit, um sich gegenseitig abzutasten, einen Konsens zu finden und sich eine Vorstellung davon zu machen, wie man gestalterisch mit dem Thema umgehen könnte. Aber dieses Mal war alles irgendwie anders.

Plötzlich wurde diese ganze Herangehensweise radikal hinterfragt und ausführlich darüber diskutiert, ob es denn überhaupt geil ist, sich überall was abzugucken, statt was total Eigenes zu machen. Also hingen dann diese im Schweiße unseres Angesichts angefertigten Moodboards an den Wänden, nachdem sie trotzdem ausführlich diskutiert worden waren, um quasi keine Beachtung mehr zu finden. Aber schön, dass man sowas mal gemacht hat. Und irgendwie sah es auch gleich viel produktiver aus, in unserem Kellerloch.

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Jetzt standen wir da, ohne irgendwas in den Händen, mit dem wir hätten arbeiten können. Das war für alle neu. Unser einziger Ausgangspunkt war die vage Vorstellung, dass die beiden Teile klar ersichtlich voneinander getrennt werden sollten. Denn für uns Neulinge war es eine völlig neue Erkenntnis, dass die komma wohl schon immer inhaltlich zweigeteilt war. Das war uns einfach noch nie aufgefallen und nach einer kurzen Ansicht der alten Ausgaben konnten wir auch einigermaßen ausmachen, woran das lag. Nämlich daran, dass sich redaktionelle Inhalte oft nur durch Details von der Gestaltung des Arbeitenteils unterschieden.

Und diese Details sind natürlich für Uneingeweihte sichtbar, aber kein ausreichender Hinweis auf eine Zweiteilung. Zum Glück ist unser Thema ja eines, das Unterschiede und das Aufeinandertreffen von Extremen gut gebrauchen kann. Es schrie geradezu danach, die beiden Teile ästhetisch miteinander kollidieren zu lassen.

Es wurde also munter drauf los gestaltet und irgendwann kamen dann sogar zur Schriftensuche wieder Moodboards ins Spiel. Die waren aber tatsächlich eine produktive Maßnahme, weil wir uns so wenigstens auf die Univers für den Arbeitenteil einigen konnten. Und irgendwo zwischen dieser allgemeinen Ziellosigkeit kam auch die Einigung zustande, dass dieser Teil ganz klassisch und aufgeräumt gestaltet werden sollte. Mit großen Bildern, damit man auch was erkennen kann, ohne funky Grunge-Schrift darüber, zerbrochene Glasscherben-Optik und solche Scherze.

Für den redaktionellen Teil, von dem wir noch so gar keine Ahnung hatten, was der mal können soll, standen gebrochene Schriften ganz heiß unter Diskussion. Vor allem wegen Hitler. 18. Ausgabe und so. Steffi versuchte sehr engagiert uns die alte Schwabacher schmackhaft zu machen, während ich ganz wagemutig die Tannenberg auf den Tisch legte. Die fand zwar kurzzeitig ein wenig Anklang, war dann aber doch zu sehr Hitler. Und genau aus diesem Grund entschieden wir uns dann letzten Endes gegen alles Gebrochene, ohne eine Alternative. Aber das machte nichts, denn wir waren sowieso noch nicht so weit.

Ich erinnere mich noch schemenhaft an unsere Gestaltungs-Sessions, in denen Steffen uns immer wieder die Univers Extended unterjubeln wollte. Bis zum Schluss fanden wir noch Paginas oder Indices in Extended wieder! Wir haben jetzt hoffentlich alle korrigiert, aber falls noch irgendwo ein solcher Fall auftreten sollte: Steffen war’s!

Ein weiteres großes Thema war die Frage, wie wir die deutschen und englischen Texte auszeichnen. Mit unterschiedlicher Spalten-Anzahl? Englisch kriegt drei, Deutsch zwei? Geht nicht, das war letzte Ausgabe schon so. OK, dann vielleicht eine Sprache kursiv! Lisa hätte sich gefreut. Der Rest nicht so sehr. Extended vielleicht! Oder mit unterschiedlichen Schriftgrößen und Extended! Oder einfach gar nicht, die Leute merken ja, wenn sie plötzlich eine Sprache lesen, die sie nicht verstehen. Oder? Es blieb auf jeden Fall keine Möglichkeit undiskutiert bis wir, Gott sei Dank!, irgendwann endlich auf einen gemeinsamen Nenner kamen.

Wir mussten uns als Redaktion mit extrem unterschiedlichen Ansichten zu grundlegenden Gestaltungsfragen wohl erst einmal die Hörner aneinander abstoßen und eine völlig neue Dimension der Kompromissbereitschaft lernen. Jetzt würde ich gerne eine „Sex and the City“-Anspielung machen, aber die versteht vielleicht keiner außer mir. Deshalb sage ich es so wie es ist: Mit der Zeit lernt man, sich zu lieben. Mit allen Ecken und Kanten.

Um euch einen Einblick in die Arbeit anderer Gestalter zu gewähren, die schon längst zu einander gefunden haben, haben wir hier noch ein Alumni Interview aus der kommenden Ausgabe mit dem Mannheimer Studio »OUI R«  für euch. Dennis Adelmann, David Heinze, Benjamnin Grab und Carolin Wanitzek haben gemeinsam unsere Fragen beantwortet.

Was macht einen guten Gestalter aus?

Als Gestalter ist es ganz hilfreich, wenn man etwas gefunden hat, das einen von anderen Gestaltern abhebt. Ich denke, es ist auch wichtig, offen für Neues zu sein, sich ständig weiter zu entwickeln. Wenn man selbstständig arbeiten möchte, sollte man auf jeden Fall eine gewisse Selbstdisziplin an den Tag bringen und sich ein gutes Zeitmanagement aneignen.

Was hat dir im Studium gefehlt, bzw. was hast du dir selbst aneignen müssen?

Es gab zu meiner Zeit leider keine Kurse, die in Richtung Set Design oder in eine freiere Richtung der Illustration gingen. Klar gab es einen Illustrationskurs, doch der war sehr klassisch aufgebaut. Ich fand keinen Spaß am Zeichnen und ich war auch nicht wirklich gut darin. Ich fand es eher spannend, dreidimensional zu gestalten. Ich habe wahnsinnig viel ausprobiert, mit verschiedenen Materialien experimentiert und sehr viel Zeit im s/w und Color-Labor verbracht. Diese Zeit hat mich als Gestalter sehr geformt und daher habe ich mich wohl auch in diese Richtung weiterentwickelt. Ich habe bei dem ganzen Ausprobieren gemerkt, dass ich keine klassische Grafikdesignerin bin, die den ganzen Tag am Computer sitzt.

Wie empfindest du die aktuelle Situation der kreativen Branche? Wo siehst du die meisten Probleme?

Ich habe das Gefühl, dass sich viele Kreative total fertig machen. Klar lastet immer ein gewisser Druck auf einem, da man ja liefern muss, und das immer! Auch wenn man mal einen schlechten Tag hat, die Deadline sitzt einem im Nacken. Für uns im Studio ist es total wichtig, vernünftige Pausen zu machen, vor allem Mittagessen zu gehen, kurz mal abzuschalten, raus zu kommen und sich auch über andere Dinge außer »Designerkram« zu unterhalten. Auch wenn das abgedroschen klingt: die Work-Life-Balance muss einfach stimmen und wenn sie das nicht tut, dann leidet man nicht nur selbst drunter, sondern auch die eigene Arbeit.

Was sind die Schwerpunkte deiner Arbeit? Wie würdest du deine Arbeit beschreiben?

Ich würde meine Arbeit als multidisziplinär beschreiben, da ich mehrere Bereiche der Gestaltung, unter anderem Set Design, Illustration und Fotografie, vereine. Oftmals wird meine Arbeit als »Papierbastelei« beschrieben, was mich zu Anfang sehr gestört hat. Ich hatte auch lange Schwierigkeiten damit, das, was ich mache, selbst zu beschreiben.

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Was würdest du gerne einmal ausprobieren? (Techniken, für welchen Kunden, usw.)

Mich würde es reizen, viel größer zu arbeiten und vielleicht nicht nur fertige Illustrationen in 2D abzuliefern, sondern einen Raum zu bespielen, der dreidimensional auf den Betrachter wirken kann. Ich finde es toll, wenn man das Unsichtbare sichtbar machen kann und unter anderem das entstandene Objekt von allen Seiten begehen kann.

Da zu meinen Schwerpunkten auch Szenografie zählt, wäre es auch mal total spannend, Schaufenster zu gestalten. Bei so einer Art von Projekt hätte ich auch die Möglichkeit, mit Lichtinstallationen und Bewegung zu arbeiten. Vorstellen könnte ich mir solche Art von Installationen ganz gut für verschiedene Fashion Brands.

Deine Werke entstehen zum großen Teil analog. Wie wichtig ist das Digitale?

Das Digitale spielt für mich schon eine große Rolle, da meine Installationen hauptsächlich in der digitalen Welt eingesetzt werden.

Da ich kein großer Zeichner bin, entwerfe ich meine Installationen in Illustrator. Einzelne Objekte konstruiere ich auch analog, ganz altmodisch mit Lineal und Bleistift. Sobald das Set Design abgeschlossen ist, beginnt der digitale Part. Die Nachbearbeitung der Fotos findet in Photoshop statt. Ich mag die Kombination aus dem Digitalen und Analogen, da dadurch meine Arbeitsweise sehr abwechslungsreich ist.

Wie sieht euer Arbeitsplatz aus?

Stylo! Wir genießen ein 72 qm großes Büro im 4. OG des C-HUBs mit viel Glas und einer schönen Aussicht auf den Verbindungskanal.

Wir lieben unser Büro, da es genügend Platz für uns und unsere Ideen bietet und auch eine beeindruckende Außenwirkung hat.

Gibt es eine Arbeitsteilung?

Wenn wir die Grundidee oder das Grundkonzept entwickeln, setzen wir uns zuerst immer zusammen und diskutieren, schmeißen Ideen in die Runde und filtern.

Abgesehen davon hat natürlich jeder seinen eigenen Part, was wir auch als unsere Stärke sehen. Aus diesem Grund haben wir uns auch zusammengeschlossen, da wir so das volle Spektrum abdecken können. Mein Fachgebiet ist von bildhaften Darstellungen und Key Visuals geprägt. Ich konzentriere mich dabei auf Set Design und Fotografie. Dennis und David verbindet die gemeinsame Affinität zum Digitalen. Gemeinsam mit unserem Entwickler Benjamin haben wir uns auf die Entwicklung und Gestaltung von Apps und Webseiten spezialisiert. Als Gemeinschaft entwickeln wir ganzheitliche Markenerlebnisse und Brandings.

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Wie ist das Verhältnis von Brotjobs zu freien Projekten?

Eigentlich recht ausgeglichen. Die Jungs arbeiten viel an ihren Apps und wir alle nutzen die Zeit, in der nicht so viel los ist, um an freien Projekten zu arbeiten oder um Einblicke in andere Bereiche zu bekommen.

Wie sieht eine typische Woche aus?

Mit unserem Studio haben wir uns eigentlich einen zweiten Wohnbereich eingerichtet. Unter der Woche verbringen wir hier den Großteil unserer Zeit und arbeiten.

Wochenenden werden meist als gemütliche Meetings oder zur Ideenfindung genutzt. Selten ist unser Studio unbesetzt.

Größte Hürde bei der Existenzgründung:

Es zu tun! Oft wird viel darüber geredet und auch Pläne geschmiedet, doch den ersten Schritt zu tun ist vermutlich das Schwierigste.

Sobald das Tun ins Rollen kommt, gibt es zwar noch einige Hürden, aber die Geschwindigkeit nimmt immer mehr zu und das Vorhaben wird immer wahrscheinlicher.

Klar ist auch das Akquirieren von Kunden eine der großen Schwierigkeiten der Anfangsphase.

Woher kommen die meisten Kundenkontakte?

Ich glaube, das teilt sich recht gut auf. Auf der einen Seite beziehen wir einige Projekte und Aufträge aus dem Internet, also Kunden, die von selbst auf uns stoßen.

Anderseits sitzen wir auch in einem großen Kreativwirtschaftszentrum, welches unweigerlich Aufträge und Kooperationen mit sich bringt.

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komma freut sich über Kontakt zu Agenturen, spannenden Kreativen und Unternehmen. Die Auflage ist begrenzt, aber wenn ihr an der aktuellen komma interessiert seid, schreibt eine Mail an: redaktion@komma-mannheim.de 

 

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