Startseite Design Design & Inspiration Design & Gestaltung: Die richtige Balance finden

Menschen suchen auf ganz natürliche Weise nach Symmetrie, Balance, Ausgeglichenheit. Entsprechend der Gestaltpsychologie neigen wir dazu, Gegenstände als symmetrisch um einen zentralen Punkt herum angeordnete Formen wahrzunehmen. Deswegen zählt die Balance mit zu den wichtigen Grundsätzen guter Gestaltung.

Das optische Gleichgewicht ist so bedeutend, weil es Einheit, Ordnung und Gleichgewicht vermittelt. Ein Entwurf muss visuell »zusammenhalten«, damit er vollständig und harmonisch wirken kann. Achtung: Balance und Ausgewogenheit heißt aber eben gerade nicht, dass alles perfekt symmetrisch ausgerichtet sein muss. Es geht lediglich darum, dass das optische Gewicht sämtlicher Gestaltungselemente gewahrt bleibt und Räume wie Farben aufeinander abgestimmt erscheinen. Ohne notwendige Balance wirkt jeder Entwurf und jedes Design schräg, inkonsistent und verunsichernd. Man kann auch das wiederum für sich einsetzen, muss es dann aber sehr bewusst tun.

Findet heraus, wie ihr notwendige Balance innerhalb eurer Arbeiten umsetzen könnt. Im Folgenden vier grundsätzlicher Arten von Balance:

1. Symmetrische Balance

Stock Photo Diving Board
feet on spring board von Alex Emanuel Koch

Symmetrische Balance liegt dann vor, wenn man sich eine senkrechte oder horizontale Line innerhalb eines Entwurfs vorstellt und die jeweils andere Hälfte einem Spiegelbild entspricht. Die bilaterale Symmetrie bzw. Achsensymmetrie vermittelt Eleganz und Perfektion, oft erscheinen Entwürfe damit auch etwas konservativ.

Stock Photo Flamingo
Symmetrical image of 2 flamingos with their necks reflected on the water von Smileus
Stock Photo Tunnel
Modern symmetric tunnel in futuristic interior with concrete arches in perspective von telesniuk

Die Beispiele oberhalb beweisen, wie ausgeglichen und aufgeräumt symmetrisch angeordnete Bilder erscheinen. Hochzeitseinladungen, Theaterprogramme und Gedichte sind oft zitierte Anwendungen, in denen eine symmetrische Gewichtung Sinn machen kann (denkt an zentral gestellte Texte innerhalb symmetrisch ausgerichteter Layouts).

Jedoch kann die symmetrische Balance oft auch langweilig, platt und sehr verzwungen wirken. Man sollte beim Einsatz also immer auch an das Mischen mit anderen Arten optischer Gewichtung denken.

 

2. Asymmetrische Balance

Stock Photo Dog Sits with Elephant
elephant and dog sit on a summer beach von Photobank gallery

Die asymmetrische Balance sorgt mittels Kontrast für Spannung und erscheint visuell interessanter. Sie ist abstrakt, es ist keine Symmetrie erkennbar, es sind keine Spiegelbilder vorhanden. Stattdessen werden Gestaltungselemente verschiedener optischer Gewichtung so angeordnet, dass die Bildseiten harmonisch ausbalanciert erscheinen. Die »schwereren« Elemente springen in‘s Auge und stechen hervor, die »leichteren« Elemente treten dahinter zurück.

Diese Art der Balance erscheint lockerer, freier und energiegeladen. Um ein optisches Gleichgewicht eures Entwurfs innerhalb asymmetrischer Anordnungen zu gewährleisten, könnt ihr folgende Faktoren zum Einsatz bringen:

  • Größe: Größere Elemente erscheinen schwerer als andere. 
Stock Photo Whale Boat
Man in a boat floats next to a big fish, whale von musicman
  • Grauwert: Dunklere Elemente erscheinen schwerer als helle. 
Stock Photo Silhouette
Silhouette von makieni
  • Farbe: Warme, helle Farben stechen eher in‘s Auge als kühle, neutrale oder gedampfte Töne. Rot gilt als »schwerste«, Gelb als »leichteste« Farbe. 
Stock Photo Sunset
Leafless tree near lake on sunset background sky von Pavelk
  • Textur: Texturierte Elemente erscheinen dreidimensional und damit schwerer als Elemente ohne Textur. 
Stock Photo Closeup Feathers
plumage background of bird close up von mycteria
  • Menge: Mehrere kleinere Elemente stehen einem großen Element entgegen.
Stock Photo Ostrich Egg
An Ostrich Egg in a bowl, surrounded von twelve large chicken eggs, viewed from the top as the bowl is placed on an oryx skin von JFJacobsz
  • Isolation: Ein einzelstehendes Element sticht eher in‘s Auge als mehrere kleine Elemente. (Warum? Denkt an notwendigen Freiraum.)
Stock Photo Coffee Cup
Single coffee cup over chalk textured table, above view von bogdandimages
  • Ausrichtung: Diagonale Elemente erscheinen schwerer als vertikal oder horizontal ausgerichtete.
Stock Photo Vintage Cars
Composition of vintage car wheels – Concept of retro classic vehicles transportation von View Apart

 

3. Strahlenförmige Balance

Stock Photo Ship Wheel
Ship Wheel background von Redchanka

Wenn man von »radialer« oder strahlenförmiger Balance spricht, meint man Elemente, die sternförmig (in Kreisform) um einen im Zentrum stehenden Punkt ausgerichtet sind. Wenn ihr einen Fokus setzen müsst, gilt die strahlenförmige Balance als effektive Methode, weil unsere Augen ganz automatisch in mittige Richtung wandern.

Stock Photo Nautilus
nautilus shell section von aaltair
Stock Photo Spiral Staircase
Helical staircase in Santo Domingo de Bonaval. Santiago de Compostela, Spain von Jose Ignacio Soto

Die Schalenform einer Nautilus-Schnecke oder die Spiralenform einer Wendeltreppe erzeugen nicht einfach nur visuelles Interesse – solche Anordnungen leiten das Auge ganz automatisch in‘s Bildzentrum.

 

4. Kristallografische Balance

Stock Photo Wall
colorful wall von Just2shutter

Diese Art der Balance wird auch mosaikförmig angeordnete oder »gesamtheitlich« ausgerichtete Balance genannt. Bei dieser Art der Ausrichtung geht es um die in ihr sichtbare Wiederholung. Auf den ersten Blick erscheinen Bilder und Entwürfe damit oft willkürlich oder sogar chaotisch. Kristallografische Balance kann wie ein visuelles Rauschen wahrgenommen werden – man kann keinen bestimmten Fokus setzen und keine visuelle Hierarchie erkennen. Glaubt es oder nicht, eine solche Art der Anordnung funktioniert und kann Sinn machen.

Stock Photo Pencils
Texture of colored pencils von Luisma Tapia

Wiederholung und Konsistenz zählen zu den elementaren Regeln guter Gestaltung. Indem ihr Gestaltungselemente wiederholend und gleichermaßen gewichtet abbildet, könnt ihr ganz selbstverständlich Harmonie und Balance erzeugen. In den Bildbeispielen sind Farben, Formen und Größen wiederholend auf der gesamten Bildfläche gesetzt. Im Pattern oberhalb wiederholen sich selbige, hell leuchtende Farben. Die Farbstifte weisen dieselbe Hexagon-Form auf. Die Donuts haben ebenfalls dieselbe Form. Egal wohin ihr schaut, die Bilder erscheinen visuell ausgewogen.

Stock Photo Doughnuts
Fresh donuts with different toppings from the local bakery shop von Arina P Habich

Balance bzw. optische Harmonie zählt zu einem wichtigen Element unsere Lebens. Überall in der Natur stoßt ihr auf sie und so findet sie auch innerhalb der Gestaltung Anwendung. Wenn ihr die Balance innerhalb euerer Entwürfe nicht achtet, erscheint das Ergebnis meistens irgendwie unsicher, schwach, nicht überzeugend. Allerdings solltet ihr Gestaltungselemente nicht zu platte und statisch ausrichten oder euch an allzu einfache symmetrische Regeln halten – experimentiert mit verschiedenen Arten der Balance, spielt mit der visuellen Gewichtung aller Gestaltungselemente, entdeckt neue Variationsmöglichkeiten und verleiht euren Arbeiten auf diese Weise die notwendige, eigene Note.

Header: Top view of quail eggs in a wooden spoon on a green background von anastasiafotoss