Shutterstock besucht spannende Kreative und beleuchtet neue Wege etablierter Unternehmen. Wir sind in ganz Deutschland vor Ort, in Hamburg haben wir Sebastian Buchholz von IRON CANVAS gesprochen. Zusammen mit Holger Hinze und Annette Schindler bringt er Metall zum Rosten und schafft damit unglaubliche Bildwelten.

Sebastian, wie kamst du zu IRON CANVAS?

Holger Hinze wollte ein neues Produkt erfinden. Durch seine Erfahrung in der Produktentwicklung – speziell im hochwertigen Verpackungsbereich – kam ihm irgendwann die Idee, unbehandeltes Metall partiell zu bedrucken und die hier neu entstandenen Motive der Natur bzw. der Oxidation zu überlassen. Die ersten Versuche brachten bereits unglaublich faszinierende Farb- und Bildwelten zum Vorschein, also wollte Holger die Idee weiter verfolgen. Zu diesem Zeitpunkt kam Holger auf mich zu, weil er meinte, dass ich als Grafiker eine ideale Ergänzung für das gesamte Projekt wäre. Seitdem entwickeln wir die Iron Canvas Bildwelten gemeinsam.

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Was ist so spannend an Rost und Stahl?

Tatsächlich ist die Reaktion der Bildbetrachter mit das Spannendste. Bei jeder Ausstellung müssen wir erklären, wie die Bilder entstehen und hergestellt werden. Im ersten Moment kann ja fast keiner direkt sagen, was er genau sieht und was den Oxidationsprozess hier ausmacht. Die Farben und Strukturen der Oxidation sind so in keiner anderen Form reproduzierbar.

Rost an sich ist im Alltag ja auch eher nicht willkommen, ihm haftet ein negatives Image an. Chemisch betrachtet ist Rost allerdings sogar die edlere Verbindung als pures Metall, da beim Oxidieren Sauerstoff gebunden wird. Die selten gesehene Einbindung von Rost innerhalb von Bildern verwirrt den Betrachter und sorgt für beinahe kindliches Erstaunen. Ein, finde ich, absolut wunderbarer Effekt, der allerdings immer auch dazu führt, die Bilder ständig überprüfen und anfassen zu müssen. Jeder fragt sich, ob das jetzt wirklich Rost ist. Und verständlicherweise will dann jeder auch gleich wieder alles anfassen.

Was habt ihr vorher gemacht und wie habt ihr euch getroffen?

Holger ist seit 1978 Layout-Siebdrucker und war seinerzeit Mitinhaber der größten Siebdruckerei Norddeutschlands. Seit 1996 ist er mit seinem eigenen Siebdruck-Atelier selbstständig . Hier ist er wissender Ansprechpartner für alle möglichen Anfragen und Aufgaben, die man sich im Siebdruck überhaupt vorstellen kann.

Angefangen bei Serigrafien für bekannte Künstler wie Max Bill, Andreas Brandt, Kurt Kranz, Hanne Darboven, Jörg Immendorff, Wu Shanzhuan und Inga Svala Thorsdottir über Layoutdrucke für Verpackungsdesigner bis hin zu aufwendigen Geschäftsausstattungen und viele andere Dinge mehr, Holger ist in der Siebdruck-Szene sehr gefragt. Als Gastdozent leitete er begleitend zu einer Ausstellung von Sigmar Polke im Auftrag des Goethe-Instituts einen Workshop an der Kunsthochschule von Chiang Mai in Thailand. Holger selbst könnte da jetzt aber selbst noch unendlich ergänzen.

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Ich bin seit 2002 freiberuflicher Grafik- und Sounddesigner. Mein grafischer Werdegang war schon immer fest mit Musik, räumlicher Gestaltung und einer stark ausgeprägten, handwerklichen Komponente verbunden, quasi als Ausgleich zur der Arbeit am Rechner. Ich bringe meine eigene Musik raus und arbeite ansonsten in Agenturen als Grafiker und Sounddesigner an verschiedensten Projekten. Getroffen haben Holger und ich uns als Kollegen im Jahr 2004 in einer Siebdruckerei. Aus dem ständigen Austausch und vielen privaten Treffen ist eine heute enge Freundschaft erwachsen.

Im Jahre 2013 ist dann Annette Schindler zum Projekt gestoßen. Annette war Käuferin unseres ersten Werkes auf unserer ersten Soloausstellung in der Galerie „Auf Halb Acht“ 2011 in Hamburg. Dann traf man sich dort immer mal wieder zufällig auf anderen Ausstellungen als Besucher wieder. Irgendwann fragte sie uns, ob sie nicht mal bei Holger im Atelier vorbeikommen könnte. Und auch daraus ist eine enge Freundschaft entstanden. Annette kümmert sich in ihrer Freizeit um die PR für Iron Canvas. Da sie selbst viel fotografiert, entstehen seit 2013 auch immer wieder Iron Canvas Bilder aus ihrem eigenen Bildrepertoire.

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Woher kommt der Stahl? Von alten Tankern?

Der Stahl kommt von unserem Hamburger Profi und Spezialisten, der uns auch bei der Weiterverarbeitung hilft. Die Stahlplatten werden doppelt umgekantet, so dass man sie ganz einfach an der Wand befestigen kann. Stahl von der Ankerklüse eines Bananenfrachters habe ich mir persönlich auf einem Schwimmdock in Hamburg abgeholt. Die Bedruckung dieser Stücke steht aber noch aus.

Wie habt ihr mit dem ganzen Rost angefangen?

Zuerst haben wir uns mit unglaublich vielen verschiedenen Materialien beschäftigt. Über mehr als ein Jahr hinweg haben wir getestet. Metall an sich und seine Reaktionen auf diverse ungiftige Oxidationshilfen waren uns wichtig. Daher hat es auch viel Zeit und Mühe gekostet, den für uns stimmigen Ansatz zu finden. Neue Materialien entdecken wir bis heute noch immer und sind hier auch längst noch nicht am Ende der Fahnenstange angelangt. Das Verhältnis zwischen Motiv und Rost mussten wir auch erst herausarbeiten und definieren. Eine Ausgewogenheit ist da sehr wichtig, der Rost soll das Motiv nicht überstrahlen und umgekehrt. Man muss den Rost also kontrollieren, mit der Oxidation experimentieren und so weiter …

Hat euch da jemand geholfen?

Wir haben uns sämtliches Wissen selbst erarbeitet. Das Thema ist so speziell und eigen, dass man bei aller Recherche nur relativ wenig nützliches und bereits bestehendes Wissen zur Anwendung bringen kann. Umgekehrt – für die Vermeidung von Rost – da findet man natürlich so einiges.

 

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Und wie entsteht jetzt das schlussendliche Werk genau?

An erster Stelle steht natürlich das Motiv. Ist dieses gefunden und auch für gut befunden, stellt sich als nächstes die Frage der Umsetzung. Also Farbauswahl, Motivgröße und genaue Oxidations-Art. Wenn all diese Dinge festgelegt sind, starte ich mit der Bildbearbeitung. Hierbei eliminiere ich die uns mittlerweile bekannten Störfaktoren und bringe das Motiv in eine umsetzbare Form. Hiervon werden dann Lithofilme erstellt – je nach Motiv für eine oder auch für mehrere Druckfarben.

Dann wird das Metall geschliffen, gereinigt und mit dem Motiv von Holger von Hand im Siebdruckverfahren bedruckt. Nach einer entsprechenden Trocknungsphase, wird der Oxidationsprozess gestartet. Der kann mitunter so spannend und schnell verlaufen, dass man ständig mit der Beobachtung beschäftigt ist. Hierbei greifen wir an verscheiden Stellen in den Prozess ein, um ein entsprechendes Ergebnis zu erhalten. Wir steuern den Oxidationsprozess, der dann schlussendlich nach ein paar Tagen abgeschlossen ist, soweit wir diesen nicht gewollt weitergestalten. Am Schluss wird die Oberfläche gewissermaßen versiegelt.

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„Leben” die Werke? Der Rost wird doch immer nur mehr?

Da wir einen speziellen Stahl verwenden, ist der Prozess irgendwann abgeschlossen, der Oxidationsprozess steht dann gewissermaßen gestoppt. Zumindest, wenn das Bild im Innenbereich aufhängt wird, kann da nichts mehr passieren. Ausgenommen ist natürlich das Aufhängen der Bilder in einem Feuchtraum wie zum Beispiel einem Badezimmer. Durch die sich ständig verändernde Luftfeuchtigkeit in solchen Räumen, kann man hier keine Garantie übernehmen.

Darauf weisen wir aber immer auch hin und sollte man eines unserer Bilder ins Badezimmer hängen wollen, können wir auf eine Foto-Reproduktion auf Alu-Dibond verweisen. Hier arbeiten wir mit einem Spezialisten aus dem Kunstdruckbereich zusammen, der auf diesem Material unglaublich gute Ergebnisse erzielt. Das Finishing der Originalbilder erfolgt mit einem Mattlack, welcher die Bilder farblich unverfälscht belässt, den Charakter und die Haptik des Rostes nicht zerstört und die Bilder auch gegen einfaches Anfassen schützt. Das Aufstellen einer sündhaft teuren, weißen Porno-Wildleder-Couch unter einem unserer Bilder, würden wir jetzt vorsichtshalber aber nicht unbedingt empfehlen.

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Was für Themen verfolgt ihr?

Begonnen haben wir mit einer industriellen und maritimen Thematik. Das lag für uns, aus persönlichem Interesse heraus, einfach auf der Hand. Hinzugekommen sind Typografie und auch abstrakte Motive. Wir greifen hauptsächlich auf einen Fundus selbst erstellter Fotos zurück, aber auch Natur und Raumfahrt sind Inspirationsquellen.

Seht ihr euch jetzt als Künstler?
Ob wir Künstler sind, darf jeder selbst entscheiden. Wir sehen uns eher als Handwerker.

Wo sind eure Werke ausgestellt und wo kann man sie erwerben?

In den letzten Jahren waren wir in verschiedenen Galerien in Hamburg in einigen Einzel- und Gruppenausstellungen präsent. Im letzten Jahr auch zum ersten Mal überregional in Bremen und Nordrhein-Westfalen. Wenn sich etwas ergibt sind wir immer dabei. Besuchen kann man uns natürlich auch im Atelier in Hamburg.

Wer sind Käufer und Sammler?

Da war bisher alles dabei. Und auch Kunstsammler haben schon zugegriffen. Private Auftragsarbeiten sind entstanden und eines unserer Motive eines Schwimmdocks von Blohm + Voss, das im Hamburger Hafen liegt, hat ein Konstrukteur dieser unglaublichen technischen Anlage erworben. Immer wieder flattern auch über eine Art Consultin, mit der wir zusammenarbeiten, größere Anfragen von Innenarchitekten für alle möglichen Hotels herein.

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Wo seid ihr gerade dran?

Das Portfolio wird natürlich ständig erweitert und ab Februar bis September 2015 befinden sich sämtliche unserer Bilder in einer Dauerausstellung. Es wird also auch ordentlich Platz für Neues frei. Wir werden sehen.

Hat eure Arbeit euch irgendwie beeinflusst und verändert?

Holger stellt sich jetzt häufig Nachts den Wecker und steht dann auch mitten in der Nacht auf, wenn sich neue Bilder im Oxidationsprozess befinden. Der Prozess ist so spannend, dass man ständig schauen will, was da gerade zum Bild rostet …

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Und das sind die von IRON CANVAS exklusiv unter Erweiterten Lizenz eingesetzten Shutterstock Bilder:

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Bild links oben:
Empire State Building Disappearing into the Fog von Christopher J. Martin
Bild rechts oben:
The Empire State Building in New York City von Nils Prause
Bild unterhalb:
New York. Spectacular view of city skyscrapers at sunset von pisaphotography

Shutterstock Bildanwendungen innerhalb von Produkten und Handelswaren sind ausschließlich über Erweiterte Lizenz möglich.

 

Iron Canvas
Sebastian Buchholz
Keplerstraße 14
22765 Hamburg

www.ironcanvas.de



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