Wir wollen die beste Qualität beim Fotografieren erreichen und auch in der Nachbearbeitung alle Optionen offen haben. So kommen wir kaum an dem Rohformat vorbei. Auch wer lieber JPEGs fotografiert, hat mit Camera RAW ein mächtiges Werkzeug zur Hand, das nur auf den Einsatz zur optimalen Bildkorrektur wartet. Und es ist wirklich unglaublich, was für Reserven in dem Fotomaterial stecken und wie gut die Helligkeitswerte, Farben, die Dynamik und Kontraste gesteuert werden können. Holt das Beste aus euren Fotos heraus: So startet ihr mit Camera RAW!

Informationen

Schwierigkeitsgrad: 2 von 6

Bildmaterial: Eigenes, Stockfotos

Inhalte: RAW, JPEG, Kontraste, Farben, Vignettierungen, Rauschen

Warum RAW?

Bildmaterial im Rohdatenformat enthält alle Informationen, die der Sensor der Kamera liefert. Hat ein Foto im JPEG-Format pro Farbkanal nur 256 Helligkeitsabstufungen (8 Bit), so bringen RAW-Bilder mit bis zu 14 Bit unglaubliche 16.384 Helligkeitsabstufungen mit. Schon an diesem Beispiel lässt sich ablesen, wie viel mehr an Dynamik, Bildinformationen und Zeichnungen in den Schatten und Lichtern im RAW-Format enthalten sind. Ein Foto lässt sich zudem auch weitaus leichter schärfen, der Weißabgleich lässt sich sehr leicht regeln oder das Rauschen vermindern.

Programm gestartet
Programm gestartet

Da Camera RAW die Einstellungen zur Aufnahme abspeichert, wird hier auch das Originalfoto nicht verändert. Vielmehr werden alle Einstellungen nicht-destruktiv in der Datenbank oder (auf Wunsch) in einer separaten Datei abgelegt. Es gibt so einige RAW-Konverter, wie etwa Aperture, ACD See Pro, Capture One sowie Photoshop Lightroom. Viele haben aber zu ihrer Photoshop-Version auch das Camera RAW-Modul installiert. Im Workflow kann dieser RAW-Spezialist leicht vor der weiteren Bildbearbeitung in Photoshop vorgeschaltet werden. Wir zeigen in diesem Praxis-Ratgeber die wichtigsten Features und bieten Tipps und Tricks vom Profi.

Oberfläche von Camera RAW
Oberfläche von Camera RAW

RAW vs. JPEG

Da Adobes Camera RAW auch JPEGS verarbeiten kann, wollen wir einmal genauer auf die Vor- und Nachteile RAW vs. JPEG eingehen. Wer im JPEG-Format fotografiert muss etwa damit leben, dass die Kamera die Entwicklung nach eigenen Vorgaben übernimmt. Im RAW-Formate werden alle erfassten Informationen des Sensors neutral gespeichert, weshalb ein noch nicht entwickeltes RAW-Bild auch zunächst etwas flach und „langweilig“ wirkt. Das lässt sich aber schnell ändern, da wir dabei die Reserven an Bildinformationen nutzen können, um das Foto in ganz unterschiedliche Richtungen zu verändern. Ein JPEG-Bild hat diese Reserven nicht.

Auch JPEGs können bearbeitet werden
Auch JPEGs können bearbeitet werden

Doch auch das JPEG hat so einige Vorteile. Vergleicht man etwa die Dateigröße, so ist das RAW-Bild gleich zehnmal größer, als die JPEG-Variante. Fotografiert ihr also im RAW-Format oder gar mit der beliebten Kombination RAW und JPEG, so ist die Speicherkarte weitaus schneller voll. Auch ist die Handhabung des Dateiformats JPEG etwas leichter, da wir hier über einen Standard sprechen, der praktisch von jeglicher Bildbearbeitung gelesen werden kann. Selbst Windows Dateibrowser zeigt JPEGs schon als kleine Vorschau an. Bei den RAW-Dateien gibt es derzeit eine unglaubliche Vielfalt herstellerspezifischer Formate die regelmäßig erweitert werden, weshalb auch der RAW-Konverter immer wieder mal auf den neuesten Stand gebracht werden sollte. Seid ihr mit der JPEG-Entwicklung eurer Kamera zufrieden, so kommt es auch zu einer großen Zeitersparnis, die Entwicklung dutzender Fotos entfällt.

Camera RAW-Schritt #1: Weißabgleich vornehmen

In Photoshop geht ihr etwa auf Datei > Bridge suchen und ruft über den Dateibrowser ein Foto in Camera RAW auf. Um ein JPEG zu laden, bemüht ihr die rechte Maustaste und In Camera Raw öffnen. In neueren Photoshop-Versionen kann das RAW-Modul auch über Filter > Camera-RAW-Filter gestartet werden. Auf der rechten Seite könnt ihr nun den Weißabgleich einstellen, wobei ihr bis dato das Ergebnis der Aufnahme aus der Kamera seht. Einmal umgeschaltet auf Automatisch erhalten wir doch gleich ein weitaus schöneres Bild, welches über Benutzerdefiniert und den Reglern Farbtemperatur und Farbton noch genauer eingestellt werden kann.

Perfekter Weißabgleich möglich
Perfekter Weißabgleich möglich

Camera RAW-Schritt #2: Belichtung einstellen

Die Belichtung wird in Camera RAW statt in Prozent in Blendenstufen angegeben. Schiebt den Belichtungsregler zur linken oder rechten Seite. Es sind bis zu fünf Blendenstufen möglich. Dabei ist wirklich erstaunlich, wie selbst zu dunkel geglaubte Aufnahmen gerettet werden können. Bei JPEGs ist der Dynamikumfang eingeschränkt, weshalb ihr diese Funktion eher dezent einsetzen solltet.

Belichtung herauf gesetzt
Belichtung herauf gesetzt

Camera RAW-Schritt #3: Kontraste regeln

Für den generellen Kontrast nutzen wir den Regler gleichen Namens. Gezielter geht es mit den Reglern Tiefen, Lichter, Schwarz und Weiß ans Werk. Während mit Tiefen/Lichter die Schattenbereich und Highlight bearbeitet werden können, beziehen sich die Regler Schwarz und Weiß auf die wirklich dunkelsten und hellsten Stellen im Dokument. Zeigt die Aufnahme nun ausgewogene Kontraste, so könnt ihr mit dem Klarheit-Regler noch die Mikrokontraste beeinflussen. Wird dieser Regler sehr stark aufgezogen, so kommt es fast zu einer HDR-Simulation. Übrigens gibt es einen Unterschied zwischen Dynamik und Sättigung. Bei dem zuletzt genannten Regler werden die Farben ganz allgemein verstärkt oder abgeschwächt. Bei der Dynamik verstärkt Camera RAW zunächst nur die schwachen Farben bzw. schwächt bei der Anwendung allzu stark gesättigte Farben als Erstes ab.

Kontraste angepasst
Kontraste angepasst

Camera RAW-Schritt #4: Schärfung und Rauschreduzierung

Erhöhte ISO-Werte sorgen gerne für ein verstärktes Bildrauschen. Wechselt zum Reiter Details, um zunächst mit dem Luminanz-Regler zu spielen, der praktisch die generelle Stärke der Rauschreduzierung bestimmt. Je höher der Wert, desto mehr werden auch die Details im Bild reduziert, die mit dem Regler Luminanzdetails wieder hervorgehoben werden können. Das ist praktisch ein Schwellenwert, wie von unscharf maskieren gewohnt. Wurde der Kontrast durch die Behandlung abgeschwächt, so gibt es mit Luminanzkontrast einen Regler zum entgegen steuern. Ist ein Farbrauschen im Bild zu sehen, so nutzt den Regler Farbe, im Zusammenspiel mit Farbdetails und Farbglättung. Die Farbe steuert die generelle Stärke, Farbdetails wirkt sich als Schwellenwert aus und die Farbglättung ermöglicht es, flächige Bereiche weicher zu gestalten.

Schärfung
Schärfung

Camera RAW-Schritt #5: HSL und Teiltonung

Farbbereiche steuert ihr über den Reiter HSL/Graustufen. Stellt da je für die Farbbereiche die Luminanz (also die Helligkeit), die Sättigung und den Farbton ein. So könnt ihr Farbstiche schnell korrigieren, Farben abschwächen oder verstärken und selbst Schwarz-Weiß-Fotos umsetzen, sobald In Graustufen konvertieren aktiviert wurde. Sehr interessant ist auch der nächste Reiter Teiltonung, der perfekt mit einer unbunten Variante des Fotos zusammenspielt. Jeweils für Lichter und Tiefen kann eine Farbe und deren Sättigung definiert werden, mit der das Bild dann eingefärbt wird. Der Abgleich ist praktisch die Waage zwischen diesen Farben, um den Schwerpunkt zu verlagern.

Teiltonung
Teiltonung

Camera RAW-Schritt #6: Objektivkorrekturen

Wechselt zum Reiter Objektivkorrekturen, um das automatische Korrekturprofil für eure Kamera oder euer Objektiv zu aktivieren. Gefällt euch das Ergebnis nicht, so nutzt die manuelle Korrektur. Die Regler Verzerrung, Vertikal und Horizontal, bringen das Bild in Form, das auch noch gedreht oder skaliert werden könnte. Auch eine unerwünschte Objektivignettierung kann hier heraus gerechnet werden. Über Aspekt wird das Format angepasst.

Objektivkorrektur angewendet
Objektivkorrektur angewendet

Camera RAW-Schritt #7: Effekte nutzen

Der Effekte-Reiter kann eine Körnung über das Bild legen oder eine Vignette aktivieren. Die weiteren Regler bei der Körnung werden erst aktiviert, sobald ihr den Stärke-Regler herauf gesetzt habt. Erst dann könnt ihr also die Größe und die Unregelmäßigkeiten festlegen. Die Vignettierung kann in schwarzer oder weißer Farbe erfolgen. Dazu gibt es unter Art noch drei Verrechnungsmethoden, wie sich die Vignette auf die Bildinhalte auswirkt. Der Mittenwert bestimmt die Ausbreitung der Vignette, die Rundheit die Form. „Weiche Kante“ könnt ihr wie einen Weichzeichner auf die Vignettierung einsetzen. Mit „Lichter“ steuert ihr einer allzu dunklen Vignette entgegen.

Mit Vignettierung
Mit Vignettierung

Fazit

Camera RAW bietet uns vielfältige Werkzeuge an, um eine Aufnahme nicht nur zu optimieren oder gar zu retten, sondern auch um einige Kreativfunktionen zur Gestaltung einzusetzen. Und das alles ist Photoshop vorgeschaltet oder darin als Filter erhältlich, was Camera Raw umso reizvoller macht.

Bild-Header: Woman eyes close-up von Cafe Racer