Photoshops mächtiges Anhängsel Camera Raw ist sehr beliebt, um damit schon vor der Bildbearbeitung in Photoshop eine Aufnahme zu entwickeln. Diese Veredelungsmaschine bietet uns zahlreiche Regler und Werkzeuge an, in Kombination erzielen sie unterschiedliche Ergebnisse. Wir verraten hier einige Tricks, die deinen Workflow erleichtern und die Arbeit inspirieren.

Informationen

Schwierigkeitsgrad: 2 von 6
Bildmaterial: Eigenes, Stockmaterial
Werkzeuge im Einsatz: Verlaufsfilter, Rauschreduzierung, Klarheit

Du lernst:

  • Voreinstellungen regeln
  • Verlaufsfilter optimieren
  • Histogramm-Steuerung
  • Bildrauschen verringern

Camera Raw-Trick #1: Jpegs gezielt öffnen lassen

Wer Camera Raw auch für JPEGs einsetzen möchte, kennt sicher den Weg über die Bridge und einem Rechtsklick zum Öffnen in Raw. Kompliziert, wenn wirklich jedes JPEG-Foto zuvor in Camera Raw optimiert werden soll. Ansonsten öffnet ein Doppelklick ein JPEG natürlich direkt in Photoshop, womit wir also auch nicht weiterkommen.

Jetzt gibt es eine passende Option zum Einstellen in Photoshop, die gerne übersehen wird. Gehe dazu im Hauptmenü auf Bearbeiten > Voreinstellungen > Camera Raw und ganz unten in den Bereich Verarbeitung von JPEG- und TIFF-Dateien. Wähle bei JPEG einfach Alle unterstützten JPEG-Dateien automatisch öffnen aus. Von nun an wird ein Doppelklick auf ein JPEG dieses zunächst in Camera Raw laden. Auch für deine TIFF-Bilder kannst du diesen Eintrag auswählen. Ein perfekter Zeitsparer, wenn du Camera Raw bevorzugst.

Camera Raw-Trick #2: Verlaufsfilter punktgenau bearbeiten

Camera Raw bietet uns mit dem Verlaufsfilter eine perfekte Möglichkeit an, rechteckige Bereiche gezielt zu bearbeiten. So kommt dieses Werkzeug etwa immer dann zum Einsatz, wenn der Himmel separat optimiert werden soll. Zunächst möchte ich aber das Foto generell bearbeiten. So habe ich hier die Lichter auf -80 eingestellt, die Tiefen auf +80. Verschiebe dann, bei gedrückter Alt-Taste, den Regler Weiß, wobei du darauf achtest, keine Flächen zu generieren. Nutze auf gleiche Weise den Regler Schwarz. Die bunten Flächen, die so auftauchen, stehen für komplett weiße oder komplett schwarze Flächen ohne Struktur, was verhindert werden sollte.

Wir könnten noch die Belichtung anpassen und den Kontrast etwas herauf setzen, doch schnell kommen wir zu dem Punkt, an dem wir den Himmel separat bearbeiten möchten. Aktiviere dazu den Verlaufsfilter und ziehe einen Verlauf von der Mitte des Himmels nach unten auf. Wir stellen die Regler für den Himmel ein und sehen sogleich ein Problem: steht ein Bildelement über dem Himmel (wie etwa ein Baum oder ein Teil eines Gebäudes), so bearbeiten wir dieses mit. Das ist nicht immer erwünscht und so bietet uns Photoshop ab Version CC 2014 Oktober eine Lösung an:

Aktiviere neben Bearbeiten den Pinsel und etwas weiter unten Automatisch maskieren. Der Pinsel steht schon auf Subtrahieren, so dass wir jetzt von dem Verlauf Bereiche abziehen können. Aktiviere ganz unten Maske, um eine Überlagerung zu sehen die anzeigt, wo die Bearbeitung stattfindet und wo nicht. Die Farbe Rot bietet sich als Überlagerung an, da sie sich gut von allen anderen Tönen abhebt. Nutze auch die Regler Größe, Weiche Kante und Fluss zum Einstellen der Werkzeugspitze.

Camera Raw-Trick #3: Belichtung über das Histogramm steuern

Camera Raw bietet uns so einige Regler an, um die Belichtung zu steuern. Wir wollen professionell arbeiten und so aktivieren wir zunächst im Histogramm die Warnung zur Lichterbeschneidung und die Warnung zur Tiefenbeschneidung (jeweils in den Ecken, oben im Histogramm). So zeigt Camera Raw stetig an (mit einer roten bzw. blauen Überlagerung), wo Flächen im Bild nur noch Schwarz oder nur noch Weiß, ganz ohne Struktur, abgebildet werden.

Verschieben wir nun den Regler Belichtung, so sehen wir im Histogramm eine komplette Bewegung. Die Berge sollten sich dabei weder auf der linken, noch auf der rechten Seite zu sehr sammeln, zumindest nicht an den Rändern. Wir könnten nun die Belichtung im Detail verändern und die Regler “Lichter, Tiefen, Weiß und Schwarz” bewegen. Praktischer ist aber die Bearbeitung direkt im Histogramm. Gehst du mit der Maus darüber, so zeigt dir Camera Raw verschiedene, mit grauer Farbe hinterlegte, Bereiche an. Durch Anklicken und Verschieben kannst du so die schon angesprochenen Regler bewegen und dich von der linken zur rechten Seite durcharbeiten.

Camera Raw-Trick #4: Bildrauschen herausrechnen

Ist das Licht nicht ausreichend, so stellen wir gerne den ISO-Wert (zu) hoch ein, um halbwegs brauchbare Aufnahmen zu erstellen. Zur weiteren Bearbeitung am Rechner sitzend, entdecken wir dann das große Übel: Bildrauschen. Nach einer generellen Bearbeitung der Farben und Kontraste erhalten wir zumeist sehenswerte Aufnahmen, doch das Rauschen wurde so noch verstärkt. Wechsel deshalb zum Details-Reiter und erhöhe bei der Rauschreduzierung die Luminanz. Dadurch werden aber leider auch Strukturen weichgezeichnet, wie etwa der Kleidung, die gar kein Rauschen aufweisen.

Um diesem Effekt entgegenzuwirken, erhöhst du den Betrag unter Schärfen. Jetzt möchten wir aber nicht die flächigen Bereiche schärfen, da so wieder das Rauschen erscheinen würde. Verschiebe deshalb den Regler Maskieren bei gedrückter Alt-Taste. So kannst du leicht verfolgen, welche Bereiche von der Schärfung erfasst werden (die weißen, nicht die schwarzen). Gehe sicher, dass du das Foto in der 100% Ansicht kontrollierst. Auch mit den Luminanzdetails und dem Luminanzkontrast sorgst du wieder für mehr Struktur in zuvor verrauschten Bildbereichen.

Camera Raw-Trick #5: Dreifache Klarheit

Mein Ziel ist ein Grunge-Effekt, bei dem die Klarheit die Hauptrolle spielt. Stelle die Lichter auf -80, die Tiefen auf +80 und die Dynamik auf -40. Setze dann die Klarheit auf +100 rauf. Aktiviere den Verlaufsfilter und setze zunächst alle Werte auf 0. Ziehe dann den Verlauf oberhalb des Bildes nach oben hin auf, so dass wir das komplette Dokument bearbeiten.

Erhöhe die Klarheit auf +100. Möchtest du die Klarheit noch einmal verstärken, so ziehe einfach einen weiteren Verlauf nach unten hin auf, wieder außerhalb des Dokumentes. So verdoppelst und verdreifachst du den Effekt.