Hort ist ein multidisziplinäres Grafikdesign-Studio, in dem unterschiedliche Talente und Persönlichkeiten zu Hause sind. Ein besonderer Ort, an dem viele Sprachen gesprochen werden. Und wie der Name schon sagt, hier wird – manchmal auch spielerisch – gearbeitet und experimentiert, mit Konzepten und ihrer Formgebung.

Hort ist ein Ort ohne künstliche Grenzen, mit absoluter Offenheit, großem Vertrauen und allen Möglichkeiten. Ein unkonventioneller Ort, um zu gestalten – ein Ort, der alles zulässt und fordert. Ein Ort, der Inspiration aus allem und jedem zieht, der ständig in Bewegung ist, sich verändert und wächst.

Das Studio war anfangs vorwiegend für die Musikbranche tätig, ist heute breiter aufgestellt und arbeitet mit Auftraggebern wie Nike, Volkswagen, X-Box, Universal Music und der New York Times. Während des Interviews arbeitet Eike an einem Plakat für die WM in Brasilien und hat mächtig Farbe an den Händen …

English subtitle available. Activate with cc button / menu bar below.

Hier stehen eine ganze Menge Sachen herum. Was ist das wichtigste Werkzeug für Designer?

Der Kopf. Vor allem der Kopf. Und natürlich das Gespräch, der Austausch von Ideen. Manchmal auch die Recherche. Die Recherche kann real oder virtuell durchgeführt werden. Nach eigenem Gusto. Wichtig ist das Teilen von erarbeitetem Wissen, damit alle etwas zum Projekt beitragen können. Wir sind nicht nur Gestalter und Denker. In Wirklichkeit sind wir viel mehr.

Wie geht die Arbeit hier vor sich?

Es gibt keine einheitliche Herangehensweisean bestimmte Aufträge, sondern viele individuelle. Die Arbeit für die Hand ist für mich sehr wichtig. Als ich studiert habe, gab es noch gar keine Computer. Gestalten ist für mich immer auch Erlebnis, Material, Geruch, Raum.

Für welche Marken arbeitet Ihr?

Wir arbeiten nicht für Firmen, wir arbeiten mit Menschen. Wir arbeiten nicht für eine Marke, wir arbeiten für ein Publikum, also wieder für Menschen. Ich wollte früher mal mein ganzes Leben lang Plattencover gestalten … Heute arbeiten wir gemeinsam mit Instituten und Museen aus dem kulturellen Sektor, der Stiftung Bauhaus Dessau oder dem Mousonturm. Wir sind im Lifestyle- und Sportsektor für Marken wie Nike oder Calle aktiv. Weitere Kunden sind IBM, G-Star und andere. Gerade abgeschlossen haben wir ein großes Projekt für Nike: die weltweite Einführung der Marke Nike F. C. im Zuge der Weltmeisterschaft.

Der Hort, diese Idee – das klingt sehr positiv … Hast Du auch mal Schweres erlebt?

Ich habe in jungen Jahren nur noch an Arbeit und an Leistung geglaubt. Dann hatte ich ein Burn-out. Da ging mal plötzlich gar nichts mehr. Ich hatte richtig Angst vor dem Ideenproduzieren, vor dem nächsten Tag. Ich habe mich gefragt, was mit all den groß gewordenen Kindern wird. Das war auch mit Grund für die Entstehung von Hort. Heute arbeiten hier eigenständige Persönlichkeiten, die miteinander kreativ sind. Mit der Arbeit haben wir auch eine gute Zeit hier zusammen, wir sind so was wie eine große kreative Familie und geben auch aufeinander acht.

Gibt es Regeln im Hort?

Das sind alles erwachsene Menschen hier. Die brauchen keine Anweisungen. Uns sind bestimmte Dinge wichtig, klar. Respekt zum Beispiel, respektiere andere, wie Du eben auch respektiert werden willst. Lass die Leute sie selbst sein. Fehler zulassen, dem anderen vertrauen, so viel Freiheit zulassen wie nur eben möglich, sich zu öffnen. Andere dabei unterstützen, ihren eigenen Weg zu gehen … einfache Regeln.

Was macht gute Erlebnisse mit Kunden aus?

Das sind Erlebnisse und Geschichten mit Menschen, die mutig genug waren, mit uns zu arbeiten, und die uns dadurch neue Türen geöffnet haben. Wir arbeiten übrigens sehr gerne international. Es spricht für die USA , dass große Unternehmen dort mit einem kleineren Studio wie dem unseren arbeiten. Deutsche Firmen machen so was nicht oder zumindest seltener. Aber zu den Jobgeschichten kommen natürlich die rein menschlichen Erlebnisse.

Seht Ihr Euch als deutsches Gestaltungsbüro?

Wir sehen uns nicht als deutsches Gestaltungsbüro. Unsere Struktur und Denkweise ist durchmischt von unterschiedlichen Kulturen. So auch unsere Gestaltung.

Welche Rolle spielt Berlin für Euch?

Berlin liegt in Deutschland. Berlin ist unser Standort. Und der ist gut gewählt. Eine große Stadt mit einem langsamen Herzschlag. Mit großer Geschichte und dennoch sehr, sehr jung. Hier kann man sein, wie man ist, das ist viel wert. Berlin ist ein Ort, den man selbst noch sehr stark mitgestalten kann. Wo gibt es das sonst auf der Welt?

Vor welcher Herausforderung steht deutsches Design?

Das neue Weltmeister-Trikot zu gestalten.

Wie macht man gutes Design?

Gutes Design braucht vor allen Dingen eines: Zeit. Offenheit ist wichtig. Wie wir miteinander umgehen. Haltung und Meinungsbildung wird hier bei Hort außerdem sehr ernst genommen. Die Frage nach dem eigenen Ich ist eine elementare. Kreativität muss bezahlt werden, auch das macht gutes Design aus. Ich mag, wenn es schwierig wird. Da entstehen oft gute Dinge.

Was muss Analog und Digital schaffen?

Den Menschen immer wieder in den Mittelpunkt zu rücken. Wir sehen den Menschen als Brücke zwischen Vergangenheit und Zukunft. Ob Analog oder Digital – am Ende geht es immer wieder um den Menschen. Hort verknüpft diese beiden Bereiche regelmäßig, also auch in der Ausstellung. Technologie hilft und schenkt uns die Möglichkeit, Dinge anders zu denken und zu gestalten. Auf der Ausstellung wollen wir genau das erlebbar machen. Wir treten mit unserer Hort-Band auf. Die Band spielt nur einmal in der jeweiligen Zusammenstellung. Der Raum, das Happening und der Besucher gehören bei uns zum Konzept. Erst wenn der Besucher im Raum mit unserer Arbeit in Kontakt tritt, beginnt überhaupt der Moment der Existenz dieser Arbeit. Das ganz persönliche, einzigartige Erlebnis ist ein Geschenk an jeden einzelnen Ausstellungsbesucher. Unsere Plakate nehmen die Performance konsequenterweise auf. Das sind grafische Fragmente und Bildmotive aus unserer 15-minütigen Performance.

Design Director: Philippe Intraligi
Text & Interview: Valentin von Vacano
Fotos: Julian Baumann
Kamera: Halil Özet, Tomislav Smiljanic
Ton: Tomislav Smiljanic
Schnitt: Leonhard Lierzer

Analog Mensch Digital – Design an der Schnittstelle

Analog Mensch Digital war eine von Shutterstock initiierte Ausstellung, die in Zusammenarbeit mit 10 wegweisenden deutschen Design-Studios realisiert wurde. Deutsche Designer präsentierten Visionen menschlicher Existenz innerhalb von digitalen Welten. Wie fühlt sich unser Morgen an? Was ist bereits möglich und was soll Technik in Zukunft für uns leisten? Plakate, Happenings, Interviews und Rauminstallationen begleiteten die Ausstellung.