Viele große Marken kooperieren für ihre Kampagnen mit bekannten Künstlern. Doch auch ihr könnt abstrakte Kunst und aktuelle Trendfarben nutzen, um außergewöhnliche Designs zu gestalten.

Kirchen, Kaiser, wohlhabende Bürger: Über viele Jahrhunderte waren die meisten Künstler auf Aufträge von Mäzenen und der zahlungskräftigen Oberschicht angewiesen. Kunstsammler gibt es natürlich immer noch, doch daneben sind es heute oft große Unternehmen, die im Rahmen von PR und Marketing Kunstprojekte anstoßen oder fördern. Ob Zusammenarbeit mit berühmten Stars der Szene oder Unterstützung von aufstrebenden Künstlern – für die Geldgeber geht es dabei meist um einen Imagegewinn für das Unternehmen oder einzelne Produkte, um Markenbekanntheit und Werbung. Doch auch ihr könnt die Ausstrahlung von moderner Kunst nutzen, um euren Designs und Kundenprojekten mehr Wirkung zu verleihen.

Bild von Hare Krishna

Ein Auto ist ein Auto ist …

Eines der frühen, visuell spektakulären Beispiele sind die BMW Art Cars des gleichnamigen Autoherstellers, die von populären Künstlern neu lackiert wurden. So gestalteten in den siebziger Jahren Legenden wie Alexander Calder, Roy Lichtenstein und Andy Warhol die mobilen Kunstobjekte. Später durften Robert Rauschenberg, A.R. Penck und César Manrique BMW-Modelle farblich bearbeiten. Und auch weibliche Stars wie Esther Mahlangu und Jenny Holzer sowie Pop-Art-Ikone Jeff Koons oder der Lichtkünstler Olafur Eliasson hinterließen ihre Spuren auf dem Autolack.

Source: BMW USA

Künstler als Produktdesigner

Vor allem die großen Fashion Brands suchen immer wieder die Nähe zur Kunstszene: So gestaltete Anselm Reyle Handtaschen für Dior, die für ihre abstrakten Musterbilder bekannte Sarah Morris lieferte ebenfalls eine limitierte Tasche für Longchamp ab. Die Luxusmarke Louis Vuitton orderte unter anderem vom japanischen Künstler Takashi Murakami sowie von Jeff Koons popkulturelle Designentwürfe für Taschen und Accessoires.

Bei szeneaffinen Sneaker-Marken ist die Verbindung zur Kunst, insbesondere der Street Art, schon längst Teil des Images. So ließ sich Nike für seine Marke Jordan vom ehemaligen Graffitysprayer KAWS Schuhe und Bekleidung gestalten, Converse nutzt Guerilla Art für Werbung und Event-Promotion und Adidas eröffnete im Februar 2020 in Berlin das temporäre Studio „XChange“, um acht Nachwuchskünstlerinnen zu fördern.

Kunst auf Verpackungen

Doch ihr könnt im Marketing mit Kunst auch auf kleinerer Fläche erfolgreich sein. Neuestes Beispiel ist LIFEWTR, ein Premiumwasser von PepsiCo. Zum Charakter der Marke gehören neben der schlichten Gestaltung der Flasche vor allem die knallbunten Kunst-Etiketten. In zahlreichen Serien haben seit dem Marktstart im Jahr 2017 viele junge Künstlerinnen und Künstler ihre Designs aus Street Art, Grafik oder Fotografie auf die Labels gebracht.

LIFEWTR, ein Premiumwasser von PepsiCo.

Schon der Bierbrauer Beck’s hatte vor gut 30 Jahren die Idee, mit seiner Art Label Edition zumindest temporär Künstlern die Gestaltung seiner Flaschenetiketten zu überlassen. Bier trinken und Kunst erleben: In Großbritannien waren schon Damien Hirst und Yoko Ono als Gestalter dabei, die erste deutsche Kollektion von 2012 brachte M.I.A., Bloc Party, Seeed, Boys Noize & Paul Snowden und Anton Corbijn an den Start. Seine Unterstützung für die LGBTQ+ Bewegung zeigte wiederum die Süßwarenmarke Skittles vor der Pride Parade in London 2019: Vier Künstler gestalteten limitierte Verpackungsdesigns zum Thema.

Im Uhrzeigersinn: Thomas Wolski, Fox Fisher, Kate Moross und Maia Boakye

So gestaltet ihr auffällige Produktlabels

Die große Wirkung solcher Marketingaktionen ist leicht nachzuvollziehen. Denn die Verpackung, beziehungsweise die Form und das Etikett eines Produkts, ist oft das erste, mit dem ihr eure Kunden beeindrucken könnt. Überlegt euch daher vorher genau, was ihr mit euren Produktlabels erreichen wollt: Die Gestaltung kann einen direkten Bezug zum Produkt oder zum Unternehmen haben, eine limitierte Ausgabe außergewöhnlich herausstellen oder Teil einer besonderen Marketingkampagne sein.

Produkt ohne Label-Design
Bild:
Yatsenko Alexey

Bei der Gestaltung von Labels solltet ihr daher folgende Punkte beachten: Wofür steht eure Marke oder das Produkt eures Kunden? Wer ist die Zielgruppe? Welche Formen, Farben, Schriften oder Bilder passen dazu? Durchsichtige Folienetiketten erwecken zum Beispiel den Eindruck, als ob das Produkt selbst bedruckt wäre. Dabei solltet ihr jedoch darauf achten, dass die Farben eures Wunschmotivs sich prägnant von der Farbe des Produkts selbst abheben.

Produkt mit einem Label-Design aus abstrakter Kunst
Bilder:
Yatsenko Alexey und CARACOLLA

Bedenkt bei der Gestaltung eurer Etiketten auch die technischen Fragen: Sollen sie, abhängig von ihrer Funktion, besser auf Papier oder auf Trägerfolie gedruckt werden, müssen die Labels wasserfest oder hitzebeständig sein? Wie kommen eure Designs am besten zur Geltung: auf transparenten oder einfarbigen Etiketten, mit mattem oder glänzendem Druck? Sehen eure Motive mit Veredelungen wie Folienprägung oder Prägedruck noch besser aus? Welche gesetzlichen Angaben müssen möglicherweise Platz auf den Etiketten finden?

Produkt ohne Label-Design; Produkt mit einem Label-Design aus abstrakter Kunst.
Bilder:
Alina Yudina und J.D.S

Produkt ohne Label-Design; Produkt mit einem Label-Design aus abstrakter Kunst
Bilder:
Alina Yudina und romi49

Wie abstrakte Kunst eure Etiketten veredelt

Letztlich geht es darum, mit euren Verpackungen und Etiketten die Aufmerksamkeit eurer Kunden zu wecken, Emotionen auszulösen und eure Artikel von ähnlichen Produkten optisch abzuheben. Bildmotive der abstrakten Kunst sind dafür hervorragend geeignet. Denn sie sind visuell meist sehr auffällig, plakativ und individuell. Kurz: Kunst fällt auf und erhöht die Aufmerksamkeit.

Verpackungen ohne Label-Design; Verpackungen mit einem Label-Design aus abstrakter Kunst
Bilder:
Customdesigner und agsandrew

Für euer Marketing oder bei der Gestaltung von Kundenprojekten solltet ihr daher auf den Einsatz von Kunst-Elementen nicht verzichten. Ob mit ausdrucksstarken Stilmitteln der abstrakten Kunst oder mit expressionistischen Farbkompositionen aus Linien, Flächen und Bildelementen: Mit den erweiterten Suchfiltern von Shutterstock findet ihr sicher Inspiration für originelle Verpackungen, außergewöhnliche Etiketten oder für auffällige Eigenwerbung.

Kollektion mit abstrakter und expressionistischer Kunst ansehen

Bilder: romi49 und AnnaVeres

Mit den Farbfiltern könnt ihr die Suchergebnisse zudem schnell auf eure Ideen abstimmen oder euch damit von den wechselnden intensiven Farbtönen der abstrakten Kompositionen inspirieren lassen. Ihr wollt die einzelnen Elemente anschließend nahtlos in eure Designs einbauen? Dann nutzt einfach unseren kostenlosen Shutterstock Editor. Extra-Tipp: Mit diesen lizenzfreien Bildern könnt ihr nicht nur kostengünstig aufsehenerregende Label-Designs gestalten – mit einer erweiterten Lizenz sind solche Kunstmotive auch für viele weitere Anwendungen, wie Merchandising-Produkte nutzbar.

Phantom Blue und andere Trendfarben

Wenn ihr für eure Designs Bilder nutzen wollt, die an abstrakte Kunst erinnern, dann habt immer auch die aktuellen Farbwelten im Blick. So ist Phantom Blue in unseren Farbtrends 2020 prominent vertreten. Schon Vincent van Gogh nutzte die elegante Ausstrahlung und die mysteriöse Tiefe dieses Indigo- und Marineblau. Hier könnt ihr euch von weiteren Beispielen dieses besonderen Farbtons inspirieren lassen. Ihr liebt dieses Blau, aber ihr braucht es für eine Animation? Hier haben wir entsprechende Videos für euch zusammengestellt.

Bild von Angelatriks

Die aktuell angesagten Farbtöne können dabei regional unterschiedlich sein. Informiert euch daher am besten über die lokalen Trends in verschiedenen Ländern und lasst euch von den vielen sommerlichen Blau- und Grüntönen inspirieren. Schließlich hat auch die Wahl der Farbe einen entscheidenden Einfluss auf die Wirkung eurer Etiketten-Designs.

Bild von pangpleiades

Auffälliges Marketing mit abstrakter Kunst

Wie ihr seht: Ihr müsst nicht zu Kunst-Sponsoren werden, um mit eurem Marketing aufzufallen und die Wirkung von moderner Kunst in eure Kampagnen zu integrieren. Der italienische Grafikdesigner Francesco Vittorioso, der dafür bekannt ist, mit bekannten Firmenlogos kreativ zu experimentieren, hat sich übrigens vor einigen Jahren sogar Gedanken gemacht, wie es aussehen würde, wenn berühmte Künstler die Logos von heutigen Unternehmen entworfen hätten. Bei einem anderen Projekt, mit dem 100 Jahre Bauhaus gefeiert wurde, bauten verschiedene Designer ikonische Logos mit Mitteln der Bauhaus-Traditionen nach.

Source: PAGE ; Keith Haring: Puma und Vincent Van Gogh: Dreamworks von Francesco Vittorioso

Source: W&V ; Starbucks von Dellfi, Burger King gestaltete Ponomarev Dmitry; Google-Logo von Artopelago, Netflix im Bauhaus-Look von Ars Designs.

Doch jetzt seid ihr dran. Nutzt die Kunst der Stunde und experimentiert mit den gezeigten Stilmitteln, um für euch oder eure Kunden außergewöhnliche Verpackungen, Labels und andere Kommunikationsmittel zu gestalten. Diese müssen nicht gleich zu Sammlerstücken werden – aber sie werden sicher für Aufmerksamkeit sorgen.


Titlebild via CARACOLLA