Warum Designer Programmiersprachen beherrschen sollten: Eine Einführung

Damals, in meiner kleinen Vorstadtschule in Connecticut, sagte unser Lehrer immer: „Ich gehe Shakespeare mit euch durch, damit ihr später im Publikum auch über die Witze lachen könnt“. Ein paar Jahre später habe ich mir das Stück “Der Kaufmann von Venedig” angesehen. Herr Decker hatte irgendwie Recht – gerade mal drei der Zuschauer konnten wirklich über den Wortwitz lachen.

Shakespeare hat mir also zu einem breiteren Sprach- und Theaterverständnis verholfen. Ich bin zwar weit entfernt von einem Virtuosen, der mit links einen jambischen Fünfheber aus dem Ärmel schüttelt. Dennoch kann ich mit Leichtigkeit einem Theaterstück folgen und mich im Anschluss mehr oder weniger intelligent darüber austauschen. Ich werde wohl nie selbst ein Theaterstück schreiben, aber mein Verständnis fürs Theater verschafft mir ein gewisses Maß an Selbstvertrauen und macht mich hoffentlich zu einer interessanteren Person.

Auf Reisen treffe ich häufig auf Designer, die behaupten, sich nur um das Design an sich zu kümmern. Diesen Wunsch kann ich zwar irgendwie nachvollziehen, bin aber der Meinung, dass sich eine solche Einstellung eher einschränkend auswirkt. In der heutigen digitalen Welt kommt dieses Verhalten einer Rezitation von Shakespeare ohne jeglichen Kontextverstand gleich.

Vector illustration by Bplanet
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Versteht den Kontext eures Tuns

Vor zwanzig Jahren bedeutete „digitales Design“, Inhalte in Pagemaker oder Quark zu erstellen und zum Drucken zu schicken. Das Design wurde nicht aus dem eigentlichen Material, sondern auf einem Bildschirm erstellt. Ich war damals zwar noch mitten im Studium, aber ich kann mich an die Generation der Designer erinnern, die sich mit dem Übergang sehr schwertaten. Für einige geriet die professionelle Welt mächtig ins Wanken, und alles, was sie bis dato wussten, verlor an Relevanz.

Heute haben wir einen weiteren Übergang vollzogen. Wir haben es nun in den meisten Fällen mit digitalen Inhalten zu tun, die den Bildschirm in Form von mehreren Skriptsprachen füllen. HTML wird zum Formatieren von Inhalten verwendet, Cascading Style Sheets zur Beschreibung von Elementen, die mit HTML-Markup auf dem Bildschirm erscheinen, und Javascript sorgt für Interaktivität. Designer ohne Kenntnisse in der Anwendung dieser Technologien sind nun abhängig von anderen, die ihre Designvisionen umsetzen. Oftmals geht, ähnlich wie beim Kinderspiel „Stille Post“, die eigentliche Aussage, in diesem Fall die Vision, verloren, da sie erst von Teammitglied zu Teammitglied übermittelt werden muss.

Designer, die Programmiersprachen praktisch anwenden können, profitieren bei ihrer täglichen Arbeit, indem sie alle Schritte so überhaupt auch unter Kontrolle halten können.

Der digitale Kontext unterscheidet sich deutlich von den elektronischen Layout-Metaphern für den Druck vor 20 Jahren. Es gibt nur wenig verlässliche WYSIWYG-Schnittstellen, die mit Pagemaker vergleichbar sind. Die Benutzerinteraktion macht WYSIWYG unmöglich, da die Elemente Ihres Designs verschiedene Stadien durchlaufen. Ein weiteres Problem in der heutigen digitalen Welt sind die vielen verschiedenen Geräte, mit denen Inhalte abgerufen werden können. Unterschiedliche Bildschirmgrößen, Eingabegeräte und sogar Prozessoren beeinflussen die jeweilige Benutzererfahrung und müssen vom Designer berücksichtigt werden. Ein Designer, der sich ausschließlich um das Design an sich kümmert, vernachlässigt diese Elemente bei seiner Arbeit.

Vector illustration by Batshevs
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Man muss kein Programmierer sein, aber man muss Programmiersprachen einsetzen können

Die Aneignung von Programmiersprachen verschafft Designern die Möglichkeit, Kontrolle und Steuerung an sich zu reißen. Dazu müsst ihr nicht gleich einen Hochschulabschluss in Computerwissenschaften machen. Für das Verständnis von Shakespeare ist ja auch kein Abschluss in englischer Literatur nötig. Ich möchte euch lediglich ans Herz legen, euch etwas mehr mit den relevanten Programmiersprachen anzufreunden, und das geht natürlich am einfachsten, wenn man sie praktisch anwendet. Das Erlernen von Programmiersprachen ist für Designer einerseits eine Investition in die Zukunft, andererseits ist es die einzige Möglichkeit, Ihr Design und dessen Wirkung auf den Nutzer direkt zu beeinflussen. Darum unterrichte ich Programmiersprachen im Rahmen von Skillfeed, der neuen E-Learning-Plattform von Shutterstock mit Hunderten von Kursangeboten. (Hier können Sie dieses Angebot kostenlos testen.)

Die Kenntnisse von Programmiersprachen, das Verständnis von Metaphern und das Erlernen der Prozesse zur Verwaltung von Code-basierten Projekten ermöglicht euch als Designern nicht nur als vollständiges Mitglied im Projektteam anerkannt zu werden, sondern auch die optimale Ausführung eurer Arbeit. Mit Kenntnissen in Programmiersprachen steigert ihr euren eigenen Wert als Designer, gerade auch was die Karriere angeht. Oftmals werde ich von Designern missverstanden, die der Meinung sind, dass ich aus ihnen professionelle Entwickler machen möchte. Mein Ziel ist jedoch, dass Designer Programmiersprachen bestmöglich für sich zu nutzen wissen und mitsprechen können. Mit einem größeren Biologiewissen habt ihr automatisch auch ein umfangreicheres Wissen über Medikamente. Ich sehe hier keinen Unterschied. Und es ist gut, zu wissen, was in den Medikamenten drin ist, die man täglich schluckt.

Einige Designer packen den Stier bereits bei den Hörnern und stellen sich den Herausforderung, die Programmiersprachen mit sich bringen. Ich kenne Freiberufler, die auf kompetente Weise beide Seiten der Design-Gleichung anbieten, idem sie wunderschöne Designs erschaffen und dank ihrer Kenntnisse in Programmiersprachen dafür sorgen, dass ihre Designs auch in der Anwendung funktionieren. Egal, ob ihr dieses Ziel erreichen möchtet oder einfach nur euren Marktwert als Designer steigern wollt: Das Erlernen von Programmiersprachen ist der Schlüssel für einen steilen Karrierekick.

Traut euch!

Viele trauen sich das Erlernen von Programmiersprachen nicht zu. In erster Linie hat dies mit der Angst vor dem Programmieren zu tun, das sie als zu schwer und zu neu empfinden. Obwohl Entwickler dies nur ungern zugeben, kann aber wirklich jeder Programmiersprachen erlernen:

Es geht nicht von heute auf morgen und es ist auch kein leichter Weg – aber es ist möglich. Programmiersprachen sind nicht mehr nur was für Computerfreaks, sondern halten in vielen professionellen Bereichen Einzug, unter anderem auch im Design.

Wie geht es weiter?

Shutterstock hat mich freundlicherweise gebeten, euch auf diesem Weg zu begleiten. Und so sieht der Plan aus:

In meinem nächsten Beitrag beschäftige ich mich mit dem Erlernen von HTML – die Programmiersprache, die ich euch (und allen neuen Entwicklern) für den Anfang empfehle. Die Grundlagen werden ihr euch sehr schnell aneignen können. Ihr werdet bereits während des ersten Tutorials Ergebnisse auf dem Bildschirm sehen können. Dieser Beitrag wird durch meinen Kurs „HTML und CSS für Anfänger“ bei Skillfeed erweitert.

Als Nächstes befassen wir uns mit CSS, Javascript und der Mobilgeräte-Entwicklung. Ich würde mich freuen, wenn ihr mich auf diesem Weg begleitet. Sehr gerne bin ich dabei euer Lehrer und stehe euch zur Seite.

Bis zum nächsten Mal! Habt ihr noch Fragen? Schreibt mir: mark@learntoprogram.tv

Ihr möchtet sofort loslegen? Schnuppert auf Skillfeed in Marks Blog-Reihe „Einführung in die Web-Entwicklung“ hinein. So könnt ihr Mark (in einem Video) kennenlernen und gleich loslegen.

Ihr möchtet gerne wissen, was ihr noch alles auf Skillfeed lernen könnt? Nutzt das 30-tägige kostenlose Testangebot, um genau das herauszufinden! Dieses Angebot ist allerdings nur für eine begrenzte Zeit verfügbar.

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