Ein Blick in die Kommunikationsabteilung der Messe Stuttgart

Shutterstock steht in persönlichem Kontakt mit deutschen Agenturen und Kunden. Auf unserem Blog schenken wir Einblick in verschiedene Unternehmenswelten: Mit rund 20 600 Ausstellern, 1,27 Millionen Besuchern und 67 Veranstaltungen jährlich zählt die Messe Stuttgart zu Europas modernstem Messe- und Kongresszentrum. Wir haben Martin Walter, Leiter Marketing-Kommunikation, besucht und wollten wissen, wie die Arbeit in der Kommunikationsabteilung aussieht.

Hallo! Danke für den Termin bei Euch. Wir steigen einfach direkt ein: Was macht die Werbeabteilung der Messe Stuttgart?

Danke für den Besuch! Wir sind übrigens nicht nur für die Werbung verantwortlich. Genauer gesagt, sprechen wir über die Kommunikationsabteilung der Messe Stuttgart. PR läuft ja ebenfalls über unsere Abteilung. Die Kommunikationsabteilung der Messe Stuttgart ist also für die Werbung der gesamten Messe und für sämtliche Veranstaltungen der Messe Stuttgart verantwortlich. Wir kümmern uns um das Unternehmen selbst sowie um alle vor Ort stattfindenden Messen. Das macht dann insgesamt 67 Veranstaltungen, 20 600 Aussteller und 1,27 Mio Besucher jährlich aus.

Was ist der Unterschied zu Werbe- oder Kommunikationsabteilung anderer Messen? Sind alle Messegesellschaften irgendwie gleich?

Messegesellschaften bilden ein Spiegelbild des jeweiligen Bundeslandes ab. Messen fungieren dabei als regionale Anker. Eine Messe entspricht einem modernen “Marktplatz”. Jede Messe hält Eigenveranstaltungen im Fach- oder Publikumsbereich sowie Gastveranstaltungen. Wenn jemand die Hallen mietet, kümmert der Veranstalter sich meistens selber um die notwendige Bewerbung. Wirkliche Messekonkurrenz kommt nur bei sich ähnelnden Messethemen oder sich überschneidenden Terminen auf. Sämtliche Messegesellschaften stehen in ständigem, freundschaftlichem Austausch. Alle Messen funktionieren ähnlich und somit auch die jeweiligen Kommunikationsabteilungen.
 

Wie kommt es dazu, dass die Messe Stuttgart auch international aktiv ist und Messen im Ausland ausgerichtet werden?

Wenn wir erfolgreiche Messen aufstellen, sammeln wir damit eine ganze Menge Know-how, Aussteller und Publikum. Dann kann es natürlich großen Sinn machen, eine solche Messe auch im Ausland stattfinden zu lassen. Hier werden dann wiederum neue Partner vor Ort eingebunden.

Was ist der Unterschied zwischen Eurer Kommunikationsabteilung und einer Werbeagentur?

Werbeagenturen sind sehr unterschiedlich. Verallgemeinernd gesagt, ist der Unterschied unserer Kommunikationsabteilung zu einer Werbeabteilung aber nicht sehr groß. Wir arbeiten auch ständig mit Werbeagenturen und Kreativen zusammen, das wiederum machen größere Werbeagenturen ja auch. Der Unterschied ist vielleicht, dass wir das Ergebnis unserer Arbeit hier auf dem Messegelände immer sehr direkt vor Augen haben. Wir sehen, wenn etwas funktioniert. Wir können sehr direkt agieren. Wir kennen unsere Ansprechpartner und unser Publikum oft persönlich.

Braucht eine Messe überhaupt eine Kommunikationsabteilung? Man könnte doch direkt mit externen Agenturen arbeiten?

Unsere Abteilung ist voll ausgelastet, arbeitet direkt mit allen Entscheidern und Kunden zusammen, bindet also auch eine ganze Menge Wissen und Können und macht deswegen natürlich großen Sinn. Wir arbeiten auch mit externen Dienstleistern. Wenn uns die Menpower fehlt oder wir auf bestimmte Dienstleistungen angewiesen sind, greifen wir auf ausgewählte Agenturen zurück. Das Messegeschäft kann leider aber auch nicht jede Agentur betreuen, eine vollständige Messe bekommt man ohne Erfahrung nicht direkt auf die Beine. Außerdem muss man externe Agenturen wiederum ebenfalls betreuen und steuern – alles das macht unsere Abteilung.

Wieviele Festangestellte arbeiten bei der Messe Stuttgart?

Wir haben ca. 300 Festangestellte. In der Kommunikationsabteilung arbeiten 15 feste Kräfte und 5 Praktikanten.

Was für Typen arbeiten hier?

Hier arbeiten die unterschiedlichsten, seriöse und auch sehr verrückte, also lebenserfahrene Persönlichkeiten. Nahezu alle haben das studiert, was sie hier machen. Dabei integrieren wir auch gerne mal gute Quereinsteiger. Wer bei der Messe arbeitet, ist oft Allrounder und multitaskingfähig. Die Leute hier können gut mit Menschen. Hier muss man oft pragmatisch und vernetzt denken und zielorientiert agieren. Und die gute Laune sollte man auch mal im Stress nicht gleich verlieren. Unsere aktuellen Stellen findet man übrigens hier.

Wie bist Du selbst zur Messe Stuttgart gekommen?

Ich habe Werbung, Presse- und Verlagswesen an der Hochschule der Medien in Stuttgart studiert. 1993 bin ich dann zur Messe gekommen. Ich habe mich auf eine Anzeige beworben und wollte eigentlich erstmal nur für eine Weile bleiben. Den Job fand ich gut, weil sich die Messe mitten in Stuttgart befand und ich hier sehr schnell tolle Leute kennengelernt habe.

Was macht Dir bis heute Spaß an dem Job?

Der Mix und der Einsatz wirklich sämtlicher Werbemöglicheiten, Medien und Kanäle und die weite Bandbreite der Aufgabenfelder, vom Handwerk bis zu allen möglichen Dienstleistungen. Die positive Offenheit und Vertrautheit in unserer Abteilung schätze ich sehr. Wir probieren auch immer wieder neue Dinge aus und verändern uns, es bleibt also spannend.

Wo ziehst Du Deine Motivation?

Ich schaue gerne mal aus dem Fenster. Wenn der Platz voller Besucher ist, geht es mir gleich viel besser. Dann hat unser Team, also auch meine Person, etwas richtig gemacht. Neben der eigenen Familie, macht die Arbeit viel Zeit im Leben aus. Also freue ich mich, wenn Kollegen und Aussteller zufrieden sind. Mein Glück und meine Motivation sind absolut menschlich getrieben.

Wie sieht Dein Arbeitsalltag hier aus?

Mein Alltag und die tägliche Arbeit sind unplanbar. Wirklich einfach unplanbar. Das ist einfach so. 30 % lassen sich vielleicht planen, der Rest ist vorweg einfach nicht durchstrukturierbar. Media- und Werbepläne müssen abgestimmt und auch geändert werden, externe Partner warten und interne Abstimmungen laufen zudem auch ständig an. Ich schaue also jeden Tag neu, was gerade am Wichtigsten ist. Man muss den Spreu vom Weizen trennen, immer wieder neu. Auf eins können wir alle hier uns aber hundertprozentig verlassen: Die Messe wird stattfinden – komme was wolle. Messegeschäft ist Termingeschäft. Die Veranstaltung wird nicht verschoben und wenn die Tore sich öffnen, geht es los und alles wird funktionieren – dafür sorgen wir.

Was ist die große Hürde, die Du täglich überwinden musst?

Mein Schreibtisch. Der ist immer ziemlich voll, das ist eine große Hürde. Da kann man schwer drüberspringen. Aber man kann damit umgehen lernen.

Wie wichtig sind Bilder für die Messe?

Messe ist Leben, Emotionen. Ohne Bilder geht da gar nichts. Die Aktualität einer Messe erkennt man an den Bildern. Es müssen also ständig neue, gute Bilder in den Einsatz. Ich kann kein Foto der vorletzten AMB einsetzen, das bemerken Aussteller und Besucher sofort. Die abgebildeten Produkte müssen aktuell sein und selbst die Mode der Besucher spielt eine Rolle … wenn ich an Besucherwerbung denke. Die Regionalität der Bilder ist für uns auch wichtig, wir sind in Stuttgart vor Ort und das muss man oft auch sehen können.

Woher kommen die eingesetzten Bilder?

Unsere Bilder erhalten wir in der Regel über unseren Fotografenpool. Interessierte Fotografen können sich also gerne bei uns bewerben. Außerdem erhalten wir Bilder über die beteiligten Branchen, Verbände, ausstellende Firmen, Bilddatenbanken und über Zeitschriftenverlage.

Videos werden übrigens immer wichtiger. Der Videoeinsatz steigt aktuell massiv an. Wir haben bereits 3 feste Videoteams im Einsatz, die für uns arbeiten. Mit Video können wir die Atmosphäre unserer Hallen und einzelner Messen optimal vermitteln.

Welchen Stellenwert nehmen technische Neuerungen innerhalb der Kommunikationsabteilung ein?

Einen sehr, sehr hohen Stellenwert. Unsere Arbeit hier hat sich dadurch komplett verändert. Der Werbeplan hat früher auf eine maschinengeschriebene DIN A4-Seite gepasst. Heute ist ein Prozessplan daraus geworden. Alles ist transparent. Arbeitsprozesse sind einsehbar. Viele Details können neu angesteuert und optimiert werden. Die Erfolgsoptimierung und die Ergebnisauswertung begleiten uns ständig. Sämtliche Kanäle spielen zusammen.

Siehst Du die sich ständig weiterentwickelnden, digitalen Neuerungen kritisch?

Zeitdruck und ständige Erreichbarkeit können belasten. Technik und ihre unglaublichen Möglichkeiten können natürlich auch als immerwährende Verpflichtung wahrgenommen und einem auch mal die Luft nehmen. Die Geschwindigkeit der Entwicklung fordert uns heraus. Aus einem Kann wird schnell ein Muss. Die Vorteile überwiegen aus meiner Sicht aber immer noch eindeutig: Schnelligkeit, Transparenz, Arbeitsvereinfachung, internationale Kommunikation … mit derselben Mannschaft bewältigt unsere Abteilung heute doppelt so viele Messen wie früher.

Warum braucht man eine Messe überhaupt, wo doch heute fast alles digital und übers Netz gehandelt werden kann?

Achtung, Vorsicht! Face-to-Face-Kommunikation sollte bitte niemand unterschätzen. Viele Dinge kaufe ich erst, wenn sie mir ein Mensch von Angesicht zu Angesicht erklärt. Eine teure Maschine möchte ich von jemand erklärt bekommen, der damit arbeitet. Ein individuell erstelltes Produkt möchte ich am liebsten von der Person kaufen, die sich das ausgedacht hat. Eine Reise buche ich gerne auch mal von jemand, der vor Ort arbeitet und bei uns ausstellt.

Persönliche Kontakte sind, was uns als Mensch mit ausmacht. Menschlicher Kontakt und persönliche Bezüge lassen sich dabei nicht immer gleich bis ins Letzte auf Profit rechnen, aber es lohnt sich, in persönlichen Kontakt zu investieren. Auf einer Messe kann ich die Konkurrenzprodukte direkt vergleichen, wir bündeln ein ganz bestimmtes Marktsegment. Und dann haben wir oft auch noch internationales Publikum und jede Menge Neukunden vor Ort.

Eine Messe ergänzt sich also wunderbar mit dem Online-Markt. Es gilt hier kein Entweder-oder sondern das Sowohl-als-auch. Messen sind heute natürlich auch digital vertreten, eine Messe wird online begleitet, Ausstellerkontakte werden mit Themen und Links verknüpft. Firmen nutzen den Messeauftritt digital, E-Mail-Kontakte werden zu persönlichen Kontakten und umgekehrt. Der Marktplatz Messe funktioniert also besser denn je und er hat Zukunft – gerade, weil auch digitale Märkte und Techniken sich weiterentwickeln.

Und dieses Interview hätte digital auch auf völlig andere Weise stattgefunden. Es ist doch sehr gut, dass wir hier zusammensitzen.

Hat eine Messegesellschaft auch eine gesellschaftliche Verantwortung?

50 % der Messe gehören der Stadt., 50 % dem Land. Unsere Messe bildet ein Spiegelbild der Wirtschaft ab. In unserer Region sind demnach Maschinenbau, Werkzeug- und Formenbau stark vertreten. Als moderner Marktplatz übernehmen wir natürlich Verantwortung für die Menschen und Unternehmen in dieser Region und müssen dabei als GmbH auch wirtschaftliche Erfolge vorweisen. Das gelingt uns zum Glück ganz gut.

Gibt es ein Zitat oder ein Erlebnis, das Dir in Erinnerung bleibt?

Ja, wir hatten hier mal einen Messe-Direktor. Er war in dem Moment ziemlich aufgebracht und meinte: “Und wenn da ein Schweizer Käse auf dem Tisch liegt, dann ist das noch lange keine Auslandsbeteiligung.” Der Satz bleibt mir bis heute im Gedächtnis und da steckt auch viel Wahrheit drin. Wahrscheinlich wird der aber nur von Messemenschen verstanden …

Gibt es etwas, das Du Deinen Kollegen schon immer mal sagen wolltest?

Ich spreche regelmäßig mit jedem meiner Kollegen. Die Arbeit mit meinem Team macht mir einen riesigen Spaß. Wir sind eine tolle Mannschaft und das ist auch der Grund, warum ich hier bin. Ich kann meinem Team an dieser Stelle also einfach nur Danke sagen.

Was machst Du nach diesem Interview?

Ich rufe eine Druckerei an. Ich gehe den Ausstellerprospekt durch. Ich prüfe mein E-Mail-Postfach und erwarte ein wichtiges Dok. zur Sichtung, es eilt mal wieder … aber ich hab´s auch in der Schule schon immer auf den letzten Drücker fertiggebracht. Die Arbeit habe ich oft als Letzter abgegeben, fertig geworden bin ich immer.

www.messe-stuttgart.de
© Bilder: Landesmesse Stuttgart

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