Alex John & Philipp Roessler: Es gibt noch was neben dem Job

Shutterstock besucht Agenturen und Kreative. Alex John und Philipp Roessler sind ein Kreativ-Pärchen aus Berlin. Neben der Arbeit als Interactive Designer entwerfen und produzieren sie hochwertige Produkte – Möbel und Taschen. Wir haben die beiden zu ihrer eher außergewöhnlichen Nebentätigkeit befragt.

Hallo! Oft gehörte Frage – Was macht Ihr?

Alex: Wir sind beide Gestalter von Herzen. Ich arbeite freiberuflich als Interactive Designerin für Agenturen, Unternehmen und Berliner Digital-Startups. Philipp leitet die Digitalagentur Yoocon und realisiert Projekte für u. a. Deutsche Telekom, Here.com, Urban-Motor.

Wie habt Ihr Euch kennengelernt?

Philipp: Vor einem Supermarkt in Berlin. Alex hatte Toilettenpapier und Kamillentee unterm Arm – das fand ich sehr sympathisch. Ich wusste sofort: Die Frau hat nichts zu verbergen. Und nicht mal das kleine Magenproblem, dass sie damals hatte, konnte ihrem Charme und ihrer schmeichelhaften Optik etwas anhaben. Ich lud sie auf einen Kamillentee ein und so nahmen die Dinge ihren Lauf …

Arbeitet Ihr auch beruflich zusammen?

Alex: Nein, wir arbeiten beide unabhängig voneinander. Für uns ist das so optimal. Natürlich helfen wir uns auch mal aus und unterhalten uns ab und zu über den Job. Wenn wir auch noch zusammen arbeiten würden, blieb da wahrscheinlich gar keine Zeit für andere Themen.

Neben Eurer Arbeit als Designer fertigt Ihr Möbel und Taschen. Wie das?

Philipp: Ich war lange auf der Suche nach einem großen Tisch für meine Agentur. Ich wollte ein richtiges Charakterstück, eine „Ansage“ sozusagen. So ein Tisch ist für mich der Lieblingsort in jedem Büro oder auch Zuhause, vor allem wenn man Freunde zum Dinner einlädt oder sich das ganze Team daran versammelt. Robust, ehrlich und mit echter Patina, am besten mit einer Platte aus einem echten Baumstamm mit richtiger Rinde am Rand – kein zusammengeleimtes Brettchen wie man es überall bekommt. Als Kontrast zum rustikalen Holz sollte der Tisch auf einem zeitloses Gestell aus roughem Eisen ruhen.

Ich bin online nicht fündig geworden, also habe ich die Ärmel hochgekrempelt und beschlossen, das Ding einfach selber zu bauen. Das Eisengestell habe ich nach einer Idee mit Papier und Bleistift skizziert und dann in einem 3D-Programm angelegt. Dann habe ich das Gestell schweißen lassen.

Die Holzplatte war etwas mehr Arbeit, um nicht zu sagen eine Geschichte für sich. Nachdem ich die Bohle meiner Träume endlich gefunden hatte – ein 4,5 m langes, 5 cm dickes, 70 cm breites Monstrum – ging das Heben, Hobeln, Sägen und Anpassen los. Viele Schweißperlen später stand der erste Tisch dann endlich fertig da, ich war wahnsinnig happy und auch ein bisschen stolz.

Alex: Als ich Teenager war, trug ich einen schlichten groben Leinenbeutel, den meine Großmutter ursprünglich mal zum Pflaumenpflücken verwendete. Ich habe ihn so lang getragen, bis er auseinanderfiel. Danach war es mir viele Jahre unmöglich, einen ähnlich schönen, minimalistischen Beutel aus natürlichem Material zu finden.

Also beschloss ich, mir selber eine zu nähen. Meine Urgroßmutter hat mir sämtliche Handarbeitstechniken beigebracht (Sticken, Nähen, Häkeln, Stopfen), deswegen konnte ich zum Glück auf gewisse Grundkenntnisse bauen. Also kaufte ich mir meine erste Haushaltsnähmaschine, sah mir unzählige Tutorials an, arbeite mich durch Nähbücher. Einige Jahre später saß ich dann an meiner Industrienähmaschine: PLUMBAG PROJECT war geboren.

Was für Produkte fertigt Ihr?

Alex: Schlichte Ledertaschen aus nachhaltig produziertem, pflanzlich gegerbtem Bio Leder aus dem Allgäu, mit natürlichem Finish. Das ist mir bei einem ehrlichen Material wie Leder sehr wichtig. Von der kleinen „Little” als Geld- oder Kosmetiktasche über die Clutch zum Ausgehen oder auch als iPad-Hülle bis zum schlichten Oversize-Beutel. Wichtig ist mir dabei immer eine reduzierte Schlichtheit und damit die Betonung des Materials, das für sich wirken können soll. Seit ich denken kann, habe ich einen Fetisch für natürliche, echte Materialien, sei es Schiefer, Leinen und natürlich auch Leder.

Philipp: Mein Eichentisch mit Eisengestell ist momentan, wenn man so sagen will, meine „Hauptproduktlinie“. Weil ich runde Tische sehr mag, gibt es ihn nicht nur in eckig, sondern eben auch in rund. Mir gefielen die Ergebnisse so gut, und die Arbeit daran hat so viel Spaß gemacht, dass ich gleich die nächsten Dinge bauen wollte. Als Fan von roughen, echten Materialien, vor allem auch Beton, habe ich dann zwei Betonlampen dazu entworfen, die ebenfalls den geometrischen, modernen Look der Tischgestelle aufgreifen.

Die Arbeit als Designer allein kostet doch schon oft genug Kraft und Zeit. Warum macht Ihr sowas überhaupt?

Philipp: Das ist natürlich schon viel Arbeit. Aber am Wochenende stehe ich einfach supergerne mit dem Hobel in der Werkstatt und werkle zusammen mit dem Schweißer und dem Modellbauer. Da bin ich voll bei der Sache und lasse den Job komplett hinter mir. Am Ende habe ich etwas in der Hand, das mich nicht nur stolz macht, sondern wahrscheinlich sogar länger existieren wird als ich selbst. Vielleicht spielen irgendwann meine Urenkel unter meinem Tisch …

Glaubst Du, dass es wichtig ist, so etwas zu machen?

Philipp: Keine Ahnung, Sport reicht mir auf jeden Fall nicht als Ausgleich. Ich brauch das Gefühl, etwas Produktives und Reales zu machen. Als ich mein erstes 4,5-Meter-Brett im Sägewerk entdeckt, ausgewählt und die Stammware durch meinen Flur geschleppt habe, wusste ich noch nichts über Trocknungsprozesse. Das Brett musste also ein knappes Jahr unbearbeitet in meiner Wohnung liegen bleiben. Schon während dieser Zeit wuchs die Freude daran und ich hab mich richtig gut gefühlt. Sowas lässt sich schwer beschreiben …

Alex: Ich traue mich manchmal kaum, eine meiner Taschen selbst zu tragen, weil ich den ganzen Aufwand dahinter kenne. Das macht sie für mich so unglaublich wertvoll. Es ist das Ergebnis dieser Arbeit, für die man sich neben dem Job gerne noch Zeit nimmt. Das erfüllt einen.

Könnt Ihr damit Geld verdienen?

Alex: Ehrlich gesagt, das war nie die Intention. Die Abverkäufe waren dann aber von Anfang an überwältigend. Ich finde es heute schön, dass es sich rentiert, obwohl alles immer noch eher nebenbei läuft.

An was arbeitet Ihr aktuell? Seid Ihr an was Neuem dran?

Alex: Philipp arbeitet an einem lederbespanntem Lounge-Chair, den ein filigranes Gestell aus Rohstahl ausmacht. Außerdem will er die passende Couch dazu fertigen, den richtigen Canvas-Stoff sucht er aber noch. Ich komme gerade aus dem Urlaub, habe mich vom Meer inspirieren lassen und bringe in Kürze eine azur-blaue Clutch raus. Außerdem arbeite ich an einem neuen Taschen-Modell.

Wo kann man Eure Produkte beziehen?

Philipp: Alle Produkte gibt es bei Selekkt.com
Tische und Lampen unter diesem Link, Taschen unter diesem Link sowie auf www.nutsandwoods.de und www.plumbagproject.de. Außerdem seit Kurzem in der Design Concept Mall im Bikini-Haus am Ku’damm in Berlin.

Alex John: kitai-berlin.de
Philipp Roessler: www.yoocon.de

© Bilder: Philipp Roessler

 

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